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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
Entstehung
Seite
98
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Sü

Drittes Capitel.

Von der Nothwendigkeit, den Eigenschaften und dem Nutzenguter Beobachtungen.

Die Arzeneykunst ist durch die Leobachtung entstanden, sieist durch dieselbe in Aufnahme gekommen, sie wird jedesmaldurch derselben Mangel ein fruchtloses Geschwätz.

Unsere erste Bemühung war auf die Begriffe einzelner Dingegerichtet. Man fing an nachher über dieselben zu raisonniren,man zog aus den einen und den andern Schlüsse sie besserzu kennen, und stieg stufenweise von dem Einzelnen zu demAllgemeinen, von dem Handgreiflichen und Bekannten zudemEntfernten und Unbekannten. Die Beobachtungen sind alsodie Grundlage unserer Vernunftschlüsse, man nimmt sie, wennsie gut sind, als so viele erwiesene Data an.

In der Kindheit der Arzeneykunst unterrichtete der bloßeZufall die Menschen über die Krankheiten und ihre Milderung.Die zufällig bekannt gewordenen Wege der Natur führten all-mählig auf die wirkliche Kenntniß derselben; man begriff,daß aus der Natur allein sich eine Arzeneykunst schöpfen lasse.Die besten Aerzte folgten darum der Natur, und die Arze-neykunst kam so oft in Abnahme, als man ihr eine andereGrundlage zu geben gesucht. Die größten Kenner von allem,was geschrieben ist, müssen gestehen, daß mehr Licht undWahrheit aus dem Wesen der Dinge strahlt, als aus ihrerGeschichte, und daß die Natur eine unaufhörlich fließendeQuelle von Erkenntniß ist, aus welcher die ersten Jahrhun-derte die Wahrheit geschöpft haben, und aus welcher sie dieNachwelt in gleichem Maße schöpfen wird. Von Hippokra-tes bis auf den Freyherr» von Swieten sind die Väter derArzeneykunsi auf den Wegen der Beobachtung der Natur ge-folgt; alle gaben die gleiche Vorschrift den kommenden Ge-schlechtern. Die wahren Lehrjüngcr des Hippokratcs steckendas Licht der Natur an, ihre Feinde blasen es aus.