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Die Verschiedenheit der Krankheiten ist so groß, die Mengeder Dinge, die zu beobachten find, ist in jeder Krankheit sobeträchtlich, daß man sie niemals unbelohnt beobachtet. Jemehr wir auf alle Umstände einer Krankheit sehen, desto bes-ser lernen wir sie kennen; je mehr wir den Lauf, die Eigen-schaften, die Zeichen jeder Krankheit kennen, desto leichterwird uns die Kunst, sie zu heilen. Je mehr wir die Wir-kungen einzelner Arzeneyen in allen möglichen Gesichtspunk-ten betrachtet und untersucht haben, desto größer und gewisserwird unsere Hoffnung in der Noth. Man wird sich die wah-ren Begriffe von der Beobachtungskunst machen können, wennich den wahren Charakter guter Beobachtungen zeige.
Die Beobachtungen des Arztes erstrecken sich über alles,was die Kunst, den Menschen vor Krankheiten zu bewahrenund die sich ereignenden Krankheiten zu kennen, zu lindernund zu heilen betrifft. Ich halte mich in diesem Buche vor-züglich an die erste Medicin, wie sie Baglivi nennt, oder dieKunst, die Krankheiten zu beobachten, und bringe dasjenige,was ich von der zweyten Medicin, oder der Kunst, sie miteiner größern Genauigkeit zu untersuchen und endlich zu hei-len, sagen will, in das vierte und fünfte Buch, weil wirbeobachten müssen, ehe wir raisonniren können. Von denArzeneyen handle ich erst in dem fünften Buche dieses Wer-kes, weil das Genie die Arzeneyen anzeigen muß, ehe es umdie Beobachtung ihrer Wirkungen zu thun ist, und weil beydieser Beobachtung, wegen der unvermeidlichen Rücksicht auf dieUrsachen, das Genie schon mitwirkt.
Gute Beobachtungen müssen mit der größten Genauigkeitgemacht seyn. Diese Genauigkeit besteht hauptsächlich in derBemerkung einer Menge kleiner Umstände, die dem Auge desBeobachters leicht entgehen, und gleichwohl den größten Ein-fluß auf das Ganze haben, indem sie oft neue, und von demvorigen ganz entfernte Wege zur Heilung entdecken. Die al-lerkleinsten Umstände des Erfolges der Methoden und der Mit-tel sind wichtig, wenn man immer steht, nie erräth, undvon der Wirklichkeit einer Sache sich wohl überzeugt, «he