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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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Durste bemerkten. Alle diese Erscheinungen waren Zeichen;aber was die inwendige Krankheit selbst sey, wußten sie nochnicht. Nach zwey oder drey Tagen sahen sie diese Leute Blutspeyen, einen dichten Harn von sich geben, und mit diesenZeichen gesund werden. Sie sahen einen andern Menschennach dem Schmerz in der Seite sterben, vorher aber diese Seitebraun und blau werden, und in dem todten Körper fanden siedieselbe über und über brandig. Hieraus konnten sie schließen,was für eine Krankheit in diesen Umständen vorhanden sey,nämlich, eine heftige Entzündung. Diese Entzündung hießensie den Seitenstich.

Die Zeichen, welche uns den gegenwärtigen Zustand öeSMenschen entdecken, sind die ersten, worauf man steht. Aberman kann oft von dem gegenwärtigen keinen deutlichenBegriff haben, wenn man die Zeichen des vergangenen Zu-standes des Kranken hierbey nicht zu Hülfe nimmt. Wir su-chen diese Zeichen durch Fragen herauszubringen. Man frägtnach allen in dem Körper und außerhalb demselben vorgegan-genen Veränderungen, und steht durchaus auf das Bedeutende.Es ist vor Allem aus zu wissen nöthig, wenn und mit wasfür Zufällen die Krankheit angefangen, in welchen Gegendendes Körpers sie sich vorzüglich geäußert, und mit was fürFolgen diese Zufälle begleitet gewesen. Alles, was außerdem gemeinen Laufe der Natur vorgegangen, wird untersucht;alles, was nur den Anschein einer Entfernung von derselbenhat, vermehrt den nöthigen Unterricht. Der Zustand alleredeln Theile, und das Maß alles dessen, was aus dem Kör-per weggeht, die geringste Veränderung in seinem gewohntenAbgänge muß uns bekannt seyn, wenn wir die Zeichen einerKrankheit finden wollen.

Der Fortgang einer Krankheit steigt an das Licht, wennwir besonders auf die Zeichen der Abänderungen und der nach-folgenden Umstände Acht haben. Man schöpft einen Theil die-ser Zeichen aus der genauen Erwägung der Zufälle. Wirmüssen mit großer Scharfsicht das Flüchtige von dem Bestän-digen, das Entfernte von dem Wesentlichen unterscheiden.

Zimmermanns Erfahrungen. 9