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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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Umständen des Kranken schließen, die Krankheit werde heftigseyn; aber am ersten Tage einer Krankheit sieht man nurin den außerordentlichsten und fürchterlichsten Fällen, und zwarselten die Zeichen, aus welchen sich der Tod schließen läßt. ESgibt Aerzte, deren ganze Vorhersagungskunst auf folgendenGrundsätzen beruht: wenn ein Kranker in gefährlichen Umstän-den unter den Händen eines andern Arztes ist, so schreyensie in das Publikum, diese Krankheit habe ganz und garnichts zu bedeuten, sie könnten sie durch ein kleines Mittelheilen. Entrissen sie durch diesen Kunstgriff einem andernArzte den zuweilen schon halb gesunden Kranken, so fuhrensie noch den ersten Tag, das Vertrauen des Kranken zu ge-winnen, die gleiche Sprache. Ist die Krankheit von derArt der hitzigen, so sagen sie schon am zweyten Tage, alleZeichen des Todes seyen vorhanden. Wird der Kranke ge-sund, so schreyt das Publikum, diese großen Aerzte haben ihn,aller Zeichen des Todes ungeachtet, durch ein kleines Mittelgeheilt. Stirbt der Kranke, so schreyen die Asterärzte, siehaben bey dem ersten Anblick gesehen, daß er sterben werde,denn der erste Arzt habe ihn verdorben.

Die wenigsten Krankheiten äußern sich durch solche Zeichen,aus welchen man gleich Anfangs entscheidend sieht, daß dieseKrankheit und keine andere vorhanden ist. Man hätte einsolches Zeichen, wenn man gleich Anfangs die nächste Ursacheeiner Krankheit sähe. Nun haben auch die bekanntesten Krank-heiten dergleichen Merkmale nicht, durch die sie plötzlich er-kennt und von andern unterschieden werden, weil sie unsdoch erst aus der Verbindung verschiedener Zeichen bekanntlind, die, einzeln betrachtet, zu ihrer Kenntniß nicht zureichendwären, aber in ihrer Verbindung die Gattung der Krankheitbestimmen. Jede Krankheit ist, wenn man will, sehr einfach,weil die dem Anscheine nach verwickeltesten Erscheinungen alle-mal zuletzt auf einem sehr einfachen Grundsätze beruhen. Aberbis zu dieser Einfachheit steigt kein sterbliches Auge, eS seydenn, daß man, wie bey den verwickelten Erscheinungen, diezuweilen ein Dlasenstein wirkt, den Stein in der Blase greife.Doch kann man sich auch hierin bekriegen.