Verstand gestützt, durch die Entwickelung dieser höchst verwor-renen Ursache, dem immer zunehmenden Jammer ein Ende aus-denken könne.
Aber alles war umsonst, und Boerhave gesteht, er seyunfähig gewesen, in dieser dichten Finsterniß irgendeine Gat-tung einer Krankheit sich vorzustellen, zu welcher man die ge-genwärtige hätte zählen können. Das geringste Merkmal ei-ner Entzündung war nicht vorhanden. Keine Geschwulst warzu erdenken, die diese grausamen Zufälle in einer solchen Ge-schwindigkeit hätte wirken können; auch war keine Ursacheeiner solchen Geschwulst in den vorhergegangenen Umständenzu finden. An keine Verrenkung durfte man denken, weilalle Wirbelbeine ihre natürliche Stellung hatten. Eine Ver-rückung in den weichen Theilen der Brust wäre nicht fähiggewesen, eine solche Marter zu erregen. Nichts blieb übrigals ein Gift, dessen brennende und tödende Kraft die einzigemögliche Ursache dieser grausamen Erscheinungen schien; aberauch kein Gift war zu erdenken, dessen Wirkungen bis zu die-ser Krankheit zu steigen vermochten. Unter allen bekanntenUrsachen der Schmerzen fand sich also keine, der man den Ur-sprung der gegenwärtigen hätte zuschreiben können, weil daSPodagra, dem der Admiral sonst unterworfen war, durch seineZurücktretung wohl unüberwindliche Bangigkeiten, Unmuthund Ekel, aber in gesunden Menschen auf einmal so unge-heure Schmerzen nicht macht, sondern, langsam cinhergehend,zuerst allmählig schwächt, nachher zu den gewohnten Schmer-zen aufsteigt, und die Verrichtungen der umliegenden Theilehindert.
Unter allen bekannten Krankheiten fand sich nicht eine,die durch einige Ähnlichkeit ein Licht auf die Krankheit deSAdmirals hätte werfen können. Das allein war gewiß, es seyein plötzlich entstandener großer Schmerz vorhanden. Daßman diesen lange ohne Lebensgefahr aushalten könne, wenn erallein und mit keiner Entzündung begleitet ist, bewies Doer-have die Uebereinstimmung der Beobachtungen aller Zeiten; erfürchtete also keinen plötzlichen Tod, und das war seine Vor-Limmermann- Erfahrungen. 10