Buch 
Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
Entstehung
Seite
180
JPEG-Download
 

180

scheiden, was aus einer oder verschiedenen unter sich verbun-denen Gattungen der Athemzüge fließt.

Siebentes Capitel.

Bon der Beobaehrung der Zeichen der Krankheiten, ihrer Abän-derungen und ihres Ausgangs in dem Harne.

Mewiß schlagt jeder schlechte Kopf dieses vor allen andernihm entgegen leuchtende Kapitel zuerst auf, und eben so gewißwird es auch das letzte seyn, daS er aufschlägt, wenn er esliest.

Der Pöbel hält den Harn für den untrüglichen Spiegel vonallem, was in dem Körper ist und vorgeht. Er begehrt vondem Arzte, daß er ohne die geringste Rücksicht auf andere Zei-chen, in dem Harne, den er stillschweigend, doch mit bedeu-tenden Blicken, anf den Tisch niedersetzt, die ganze Geschichteeines Kranken und seiner Krankheit lese. Diese abgeschmacktenVorurtheile haben um so viel tiefere Wurzeln in schlechtenKöpfen geschlagen, weil sie der Patriarch des Aberglaubens,Theophrastus ParacelsuS, gepredigt hat, weil sie den Aber-glauben begünstigen, weil sich Aerzte finden, die dumm ge-nug sind, diese Vorurtheile zu verfechten, und besonders weil,sie alt sind.

' Dem Pöbel scheint eS viel zu gemein, eine Krankheit durchdie genaue Beobachtung aller Umstände zu erkennen. Aberseinen ganzen Geist in einen Naäittopf einschränken, grenztan das Wunderbare^ Es ist eine Freude anzusehen, wie die^Praktiker den Pöbel überreden, daß sie nicht nur alle Krank-heiten aus dem Harne erkennen, sondern auch fast alle Krank-heiten durch den Harn abtreiben, und wie sie darum alle Tageden Harn der Kranken mit einer täuschenden Hoheitsmienebetrachten, damit sie aus dem geringsten Anschein eines Bo-densatzes beweisen könne», die Mittel führen aus. Alle Aerztedie jemals den Beyfall des Pöbels gesucht, haben die Harn-