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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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weilen eine Ader in der Ungewißheit, ob ein Stechen in denBrustmuskeln, ein Fluß auf der Brust, eine Colik und so vieleandere Krankheiten mit Entzündungen begleitet seyen. Einezähe weißgelbe Haut auf dem Blute wird als ein Merkmaldieser Entzündung betrachtet, wenn sie auch nur striemweiseerscheint. Wir sehen mehrentheils, daß die Entzündung desHalses, der Brust, der Gedärme und so ferner, abnimmt, wennbey der zweyten, dritten, oder vierten Aderlässe das Verhält-niß dieser Haut abnimmt, oder gar verschwindet, und wir schlie-ßen auf einen schlimmen Ausgang, wenn sie hartnäckig bleibtoder gar zunimmt. Doch ruht auch dieser Schluß auf derVerbindung dieses Zeichens mit den übrigen.

Man hat wider die Lehre von der lederartigen Haut wichtigeEinwürfe gemacht. Sydenham sagt, wenn in einem Seiten-stich das Blut nicht horizontal, sondern perpendicular über dieHaut herunterlaufe, so werde es, der gleichen Geschwindigkeitin seinem Laufe ungeachtet, aus einer ihm unbekannten Ursache,die lederartige Haut nicht haben; Herr Triller hingegen sah dieseHaut auch in dem letzter» Falle, und der Freyherr van Swie-ten bekräftigt diese Wahrnehmungen durch die seinigen. Vielleichthaben beyde Parteyen Recht. Die lederartige Haut zeigt sichin Krankheiten mit Entzündung, mir wenigstens, nur wenndie Oeffnung groß ist, und folglich, wenn das Blut horizon-tal hervorquillt. Allein die Oeffnung kann groß seyn, unddas Blut läuft dennoch perpendicular herunter, wenn ein Bis-chen Fett vor die Oeffnung tritt, oder wenn die Ader allzu sehr seit-wärts geöffnet ist. Bey gar zu kleinen Oeffnungen tröpfelt freylichdas Blut über den Arm herab, aber die lederartige Haut zeigtsich «uf dem Blute nicht, weil die Oeffnung zu klein ist.

Auch nehmen die mathematischen Aerzte an, daß durcheine breite Wunde, in Absicht auf das Verhältniß mit derganzen Masse, mehr dichtes Blut herausgezogen wird als dün-nes, weil in dem Umlaufe der ganzen Masse das dünnere Blutvermittelst des Druckes aller flüssigen Körper von dem Mit-telpunkt gegen die Peripherie, in seinen Kanälen seitwärtsgetrieben wird, da hingegen daS schwere durch die Mitte rinnt.