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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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Die Winde sind überhaupt von zwey Arten: Landwindeund Seewinde. Jene hält man für kalt und trocken, diese fürwarm und feucht; daher auch die Inseln insgemein wärmer sind,als das feste Land. Doch sind die Wirkungen des Landwin-des in verschiedenen Gegenden sehr verschieden. In den mei-sten Ländern ist der Landwind überhaupt gesund, weil er tro-cken ist. Auf der Insel Java ist der Landwind höchst gefähr-lich , weil er dem erhitzten und sehr stark ausdünstenden Kör-per unerträglicher ist, als in Holland mitten im kältesten Winter.

Man hält die Seewinde für sehr viel wärmer als die Land-winde. Verschiedene mittägliche Länder sind kälter als andere,die für sie nordwärts liegen, wenn bey jenen die Landwindeund bey diesen die Seewinde ivehen; auch die Matrosen urthei-len von der Nähe des Landes, wenn der daher wehende Windkälter wird. Au Barbados ist der Seewind so heiß, daß er,wie der Wind aus der Lybischen Sandwüste, den Athem be-nimmt. Hingegen wüßte man auf Jamaika die Hitze nichtauszustehen, wenn nicht alle Tage von neun Uhr des Morgensbis Abends um fünf Uhr ein kühler Wind diese Hitze so mäßigte,daß ein jeder seine Geschäfte verrichten kann; die Jamaikanernennen diesen Wind den Arzt, und er ist es, weil ohne seineHülfe Jamaika eine Wüsteney wäre. I» Batavia machen dieSeewinde die Einwohner munter, frisch und gesund. Auchhierüber läßt sich nichts Allgemeines sagen.

Die sehr heißen Winde sind, in Absicht auf ihre Wirkun-gen in verschiedenen Weltgegenden, einander doch ziemlich ähn-lich. Den 30. Heumonat 1705 verspürte man ausschließlich inder Stadt Montpellier einen so heißen Wind, daß man Eyer ander Sonne gar machen konnte, daß viele Thermometer zerspran-gen, daß alle Perpendikeluhren zu früh gingen, und die Blätteran den Bäumen abdorrten; zum Glücke kam ein wohlthätigerRegen den erschrockenen Einwohnern zu Hülfe. Prosper Alpi-nus sagt, die Winde seyen in Cairo schon im Merz, April,und May so heiß, daß sie aus einem feurigen Ofen heraus-zukommen scheinen; auch setzt er hinzu, alle Menschen werdenvon diesen Winden so schwach, daß ihnen die Eßlust völlig ver-