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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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346
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dürr sind, viel härter und zäher als der natürliche Roggen.Sie haben keinen Übeln Geschmack. An den Aehren wachsen sieviel weiter hinaus als die andern Körnchen. Zuweilen sind siebis dreyzehn und vierzehn Linien lang, und über zwey Linienbreit. Man findet oft sieben oder acht an einer einzigen Aehre,und man sieht leicht, daß diese Zapfen kein fremdes Gewächs,sondern wahrhafte Roggenkörnchen in ihren Hülsen sind. HerrDoctor Lang in Luzcrn sagt in seiner vortrefflichen und über-aus gemeinnützigen Abhandlung über diesen wichtigen Gegen-stand, die Kornzapfen seyen, außer ihren Hülsen betrachtet,widernatürliche, schwarzbraune, harte, lauge und kürzere, dickereund dünnere, gerade und krumme, gehörnte, zugespitzte undverbrennliche Auswachsungen der Roggcnkö'rnchen, mit einemgeringen Korngeruch und Geschmack, der doch zuletzt ein we-nig scharf zu seyn scheine. Inwendig findet man einen klei-nen , fast unsichtbaren Wurm.

Nach den Wahrnehmungen dieses patriotischen Arztes,äußern sich die Kornzapfen jährlich in den Roggenähren inverschiedener Anzahl. Bald sieht man in einer Aehre zwey,drey, vier bis fünf, sechs und auch sieben, wenn sie nichtgar häufig sind. Es können aber auch zuweilen in einer ein-zigen Aehre über zwölf Kornzapfen gezählt werden, wenn einesehr feuchte Jahrszeit ihren Auswuchs begünstigt.

Man hat in Frankreich bemerkt, daß die Kornzapfen inviel größerm Ueberfluß in dem feuchten und kalten Erdreich,und auch in sehr feuchten und regnichten Jahren wachsen; daßeine Gattung Roggen, die man im Merz aussäet, und beyunS Sommerroggen nennt, den Kornzapfen mehr unterworfenist, als diejenige Gattung, die man im Herbst aussäet, undden Winterroggen nennt. Chatton , ein Wundarzt zu Mon-targis sagt, der Roggen werde durch die Kornzapfen in So-logne, in Berry, in dem Lande von Blois und GastinoiSfast überall, und besonders in dem leichten und sandigen Erd-reich verdorben; es seyen wenig Jahre, in welchen nicht solchebösartige Roggenkörnchen wachsen; aber wenige seyen niemalsvon böser Wirkung. Sie wachsen sehr häufig, wenn auf einennassen Frühling sehr heißes Wetter folgt.