l
j
347
Die Kornzapfen find nicht immer giftig. Lang hat be-merkt , daß zuweilen Roggenbrod, in welchem sich doch vielevermahlte Kornzapfen befinden, die bekannten schädlichen Wir-§ kungen nicht hat. Die Kornzapfen werden fast immer, undj oft sehr häufig in dem Roggen verspürt, aber sie find erst! dann giftig, wenn sie groß, lang, ziemlich dick, bey feuchtemWetter gewachsen sind, und lange gestanden haben. TheodorZwinger, der ältere, zweifelt daher, ob der kalte Brand wirklich! von den Kornzapfen herrühre, weil sie in dem Canton Baselj häufig wachsen, ohne Scheu und Nachtheil mit dem übrigenRoggen in die Mühle gegeben, zu Brod gemacht, und ge-spiesen werden. Der Freyherr von Bondeli, königlich Preu-ßischer Minister in der Schweiz, schrieb ebenfalls an HerrnLang: Die Bernerischen Aerzte haben die Kriebelkrankheit an-fangs für eine Wirkung der Luft gehalten, aber durch genauereund zahlreiche Erfahrungen überführt, sey ihnen begreiflich ge-worden , daß diese Krankheit allerdings eine Wirkung derKornzapfen sey. Auch Doctor Johann Jacob Ritter beklagte! sich, daß man in Bern am Anfange dieses Jahrhunderts die
! Kriebelkrankheit für eine Wirkung der schlechten Nahrung der
! Bauern überhaupt, ihrer gewöhnlichen Nachlässigkeit und des
! heftigen Frostes gehalten, da doch die Kornzapfen das Federvieh
! töden, und da ihre Wirkungen auf den Menschen durch so
i häufige Erfahrungen erwiesen sind. Der ganze Betrug lag
^ also darin, daß die Kornzapfen die gleichen schädlichen Wirkun-
' gen nicht immer haben.
Man hat die aus dem Gifte der Kornzapfen entstehendeKriebelkrankheit in Frankreich schon in dem sechszehnten undfiebenzehnten Jahrhundert bemerkt. Sie wüthete aber inFrankreich am meisten am Ende des JahrS 1709 . Die Gliederwerden von dem Genusse des befleckten Roggenbrods schwarz,sagt Lemery, sie sondern sich von den gesunden Theilen, mansieht eins nach dem andern abfallen, ohne daß die Mittel kräf-- tig genug sind, das Zunehmen des Uebels zu hemmen, und
l der Kranke stirbt. Nach Lemery hat man hierüber die trau-
s rigsten Erfahrungen in vielen französischen Spitälern und be-