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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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348
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sonders zu Orleans, i» dem Lande von Sologne und BloiSin der Zeit gemacht, da am Anfang dieses Jahrhunderts dasBrod sehr theuer war. Vor wenig Jahren machte die Akademiezu Paris der Wissenschaften eine Beschreibung dieses aus denKornzapfen entstandenen kalten Brandes bekannt, die fürchter-lich zu lesen ist. Man hat mit diesem Getreide ein Schweingar bald zum Tode gebracht, nachdem es den Gebrauch seinerBeine verloren, und einen stinkenden Saft aus denselben geschwitzt.Im Hospital zu OrleanS sind fast immer wegen dieser Ursachegar viele Kranke aus der Landschaft Sologne, die an dem kal-ten Brande hinsterben. Bald geht er nur bis an die Knie,bald an die Schenkel; die Füße werden am meisten angegriffen,in den Handen fühlt man mehrentheils nur ein Einschläfern.Das Abnehmen der brandigten Glieder ist unnütz. Unter hun-dert und zwanzig, denen die unerbittlichen französischen Wund-ärzte die Füße abgenommen, hat man nur vier bis fünf rettenkönnen. So weit die Pariser-Akademie.

Man hat überhaupt die nämlichen, obgleich etwas schwä-cher» Wirkungen in Deutschland von den Kornzapfen wahr-genommen; sie sollen auch convulstvische Coliken erregt haben,die in Lähmungen und in einen völlig gedankenlosen Austandübergingen. In der Schweiz hat sich die Kriebclkrankheit inden Cantonen Zürich, Bern, Luzern und Freyburg sehr heftiggeäußert. Sie wüthete im Canton Aürich im Jahr 1716. ImCanton Bern hat sie sich hauptsächlich im Jahr 1709 in derGrafschaft Lenzburg gezeigt; die mit dem kalten Brande behaf-teten Glieder des armen Landmanns waren pechschwarz wie beyGeräderten, hart wie Horn, und durch und durch dürr. Sieherrschie auch in der zwischen Bern und Freyburg gemeinsamenVogtey Schwarzenburg im gleichen Jahre. Auf gleiche Arthat diese Krankheit in den Jahren 1709, 1716 und 1717 dieUnterthanen des Cantons Luzern erschreckt. Im Jahr 1709wurden in diesem Canton in einem Bezirke von drey bis vierStunden innerhalb zehn Wochen bey fünfzig Personen ange-griffen, von welchen aber durch die kluge Vorsorge dieser Re-publik nicht mehr als ein einziger Mann gestorben ist, der