349
! schon zum Voraus einen gefährlichen Schaden an einem DeinI gehabt. Die meisten Luzernischen Kranken find unbeschädigt da-von gekommen, wenn sie nur zeitlich genug die ihnen verord-' neten Mittel annahmen, die Nachlässigern verloren theils et-welche Zehen oder Finger, theils auch einen Fuß, einige kamenum ein ganzes Dein. Ueberhaupt schien dieses scheußliche Ue-! bel im Jahr 170S aufs höchste gestiegen zu seyn, dem damals! der arme Lanömann, aus Mangel anderer Nahrung, fastn garnicht entgehen konnte.
Unserm vortrefflichen Luzernischen Arzte, Herrn Lang, habenwir auch die ächte Beschreibung der Kriebelkrankheit zu danken;
! denn die hieher nicht gehörende Kur kann man in seinem Werke^ nachsehen. Ueberhaupt ging dieser Krankheit kein Fieber, wohl> aber eine gewisse Mattigkeit vorher, die entweder den obern oderl untern Leib einnahm, je nachdem die obern oder untern Gliedervon dem Gifte sollten angefochten werden. Einige verspürten dieMattigkeit schon zwey, drey bis vier Wochen vor dem Anfallder Krankheit, einige nur wenige Tage vor demselben. An-dere fühlten auch gar keine Mattigkeit zum voraus, sondernl sie wurden von den entsetzlichsten Zufällen ohne das geringste, vorhergegangene Zeichen überfallen. Einige Personen hatten imCanton Luzern sogar das Unglück, daß sie im Gehen, ohne! einen vorher sich geäußerten Schmerz, eine oder zwey Zehen, durch den kalten Brand verloren, oder, indem sie ihre Schuheoder Strümpfe auszogen, ihre Zehen zugleich fortrissen.
Bey dem ersten Anfall der Kriebelkrankheit erkalteten dieäußersten Glieder. Die Haut war blaß, bleyfarb und gerun-zelt, die Adern verschwanden, hierauf folgte eine gänzliche Ein-schläferung des angegriffenen Gliedes, und bald ein gänzlicherVerlust aller Empfindlichkeit. Man konnte nach Belieben indiese Glieder stechen und hauen, der Kranke fühlte nicht dengeringsten Schmerz, und kein Tropfen Blut floß aus der Wunde;doch blieb die willkürliche Bewegung übrig, obschon sie in et-was erschwert war. Außer den Füßen und Beinen, oder Hän-den und Aermen, Zehen und Fingern, blieben alle Theile unan-gefochten. Der Kranke verspürte i» dem ganzen Leibe fast gar