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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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Die Neigung zu einer sitzenden Lebensart entsteht zuweilenbey lesenden und denkenden Frauenzimmern aus dem Wahn,sie seyen nirgends wohl als zu Hause. In gesunden Tagenist man freylich auch bey vielem Sitzen wohl, aber dieses ein-same Wohlseyn hat bey ihnen insgemein die kläglichsten Folgen.Sie freuen sich im Anfang des Winters zu Hause bleiben zukönnen, und am Ende desselben ist ihre Gesundheit auf vieleMonate und oft auf einige Jahre zernichtet. Denn anstatt dieSommerfreuden genießen zu können, erliegt ihr abgematteterKörper unter der noch mehr ermattenden Hitze.

Gelehrte, die bey dem gänzlichen Mangel der Leibesübungimmer lesen und schreiben, verderben vorzüglich ihren Magenund ihre Verdauung; sie verlieren daher oft die Eßlust, sie ha-ben entweder Blähungen, oder sind mit tausenderley Bangig-keiten geplagt. Sie haben bald Verstopfung, bald Bauchfli'isseund mannigfaltige Zufälle in den Nerven; sie verlieren denSchlaf und die Empfindlichkeit für das Vergnügen; sie sinkenin tausend nagende Leidenschaften, und endlich überfällt sie diegefährlichste Feindin des Lebens, die Schwermuth. Rousseausagt: unter allen Menschen sitzen und denken die Gelehrten ammeisten, darum sind sie unter allen Menschen die ungesundestenund unglücklichsten.

Von allzu vielem Sitzen fällt auch der Landmann selbst zu-weilen in die Hypochondrie, welches vielleicht eben so wenig all-gemein bekannt ist, als die Wahrnehmung, daß sich in derSchweiz ein großes, schönes und reiches Dorf findet, in wel-chem man kein einziges Haus antrifft, wo sich nicht jemand er-henkt, oder sonst entleibt habe. Ich lebe in einem Theile derSchweiz, in welchem der Bauer sehr rauh, der härtesten Ar-beiten gewohnt, mit nahrhaften Speisen, und einem Ueberslussevon Wein versehen ist; diese Leute sind daher sehr muthig, sieprügeln einander leicht auf den Tod, und kennen unter einersehr sanften Regierung kein größerS Joch als ihre Arbeit. In-deß sehe ich unter diesen Leuten solche, die völlige Hypochon-drien sind, wenn sie Handwerke ausüben, die vieles Sitzenfordern. Von dieser Art sind die Schuster und die Weber,