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man ihn viel eher für eine Bildsäule als für einen Menschen ge-halten hätte. Allein nachdem man ihm auf den Abend mitlauter Stimme zugerufen: seine Liebste soll sein eigen seyn,wenn er nur wieder zu sich selbst komme, sprang er wie auseinem tiefen Schlafe von seinem Stuhle auf, und ward ge-sund. Ich habe auS eben dieser Ursache vielerley Wahnwitzigegesehen.
Die mißlungene Liebe reibt nicht nur den Menschen all-mählig auf, sondern sie zeugt auch zuweilen bey gefühlvollenWeibspersonen, ohne sie aufzureiben, die rasende Geilheit,wenn man das Uebel nicht in seiner Wurzel angreifen darf.Ebenso, wie der von Liebe kranke Palmbaum, von welchemder Araber Ibn Alvardi sagt, er neige sich gegen einen Palm-baum des andern Geschlechts, er werde unfruchtbar und ver-zehre sich selbst, wenn man nicht beyde Bäume mit einemStrick zusammen binde, und einen Zweig des geliebten Bau-mes an ihn hänge, oder wenigstens etwas von seinem befruch-tenden Staube auf ihn streue.
Abugal, ein Sohn des Sina, der unter dem Namen Avi-eenna bekannter ist, beschreibt mit dem Pinsel der Natur, dieaus einer mißlungenen Liebe zuweilen entstehende rasende Geil-heit, so wie sie auch in ganz Europa sich äußert, und wie ichselbst sie mehrmal gesehen. Diese Krankheit, sagt er, grenztan die Melancholie, und entsteht aus einer allzu sorgfältigenAufmerksamkeit auf eine angenehme Person, mit welcher manoft gewünscht sich zu vermischen, ohne es zu können. Sieverräth sich durch tief in ihre Höhlen gezogene Augen, durchdie beständige und mit einem gewissen Lächeln begleitete Be-wegung der Allgendeckel. Der Athem wird oft unterdrücken,oft gleichsam mitten in seinem Laufe angehalten, und auch oftnoch mehr angestrengt. Bald ist die kranke Person freudigund lacht, bald ist sie traurig und weint, besonders wenn manihr verliebte Lieder singt, oder von der Abwesenheit der ge-wünschten Person spricht. Ihr ganzer Leib zehrt ab, nur dieAugen nicht, die zwar zurückgezogen, aber von dem vielenWachen und Seufze» dennoch geschwollen sind. Alle Gemüths-