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Armelle, eine Französin, war in ihrer Jugend von einemverliebten und gefühlvollen Temperamente, und zudem mitMutterbescl,werden sehr geplagt, daher ihr auch die Frau, beywelcher sie in Diensten stand, sehr vernünftig die Arbeit als daseinzige Mittel wider ihre Schwärmereyen rieth. Ihr Lebensbe-schreiber sagt, ihr Herz sey in der Zeit, da sie von der Liebe Got-tes noch entblößt war, von einem höllischen Feuer, ihre ganzeSeele von so garstigen und abscheuliche» Gedanken, ihre Ein-bildung von den geilste» Bildern so voll gewesen, und dasFeuer der unkeuschen Liebe habe so sehr in ihr gebrannt, daßsie sich nicht mehr zu fassen gewußt. Nach ihrer Wiedergeburtänderte dieses Feuer nur seine Richtung. Auch wurden diegeistlichen Eröffnungen und Liebesergießungen nun so stark,daß sie bezeugte, sie könne keinen Augenblick außer der Verei-nigung ihres geistlichen Bräutigams leben. Diese übermäßigempfundene Gewalt übersteige alles; sie wisse nicht mehr, wo-hin sie sich wenden, und was sie sagen solle, denn die Liebeführe sie allenthalben hinweg, und überwinde sie allenthalben.Einst dünkte ihr, sie sey vor Liebe in einen Brennofen gestürzt,gegen den alle Brennöfen der Welt eiskalt seyen; gleich folgteeine große Ohnmacht; ihre Kräfte nahmen täglich ab, und siehatte oft ein heftiges Gliederreißen. Das durchdringende Feuerihrer geistigen Liebe schien den innersten Grund, den Mittel-punkt, das Wesen ihrer Seele zu verzehren; sie hatte dabeyein beständiges Fieber, und konnte fast nicht reden. Von dersüßen Gewalt dieser Liebe überströmt, in ihren unermeßlichenAbgrund versenkt und trunken, wachte sie ganze Nächtedurch, und genoß, wie ihr LebenSbeschreiber sagt, „geruhig dieLiebcsküsse, womit ihr himmlischer Liebhaber sie in dem geheim-sten Grund ihres Herzens beschenkte"; endlich bildete sie sich ein,sie sey ganz mit ihrem Bräutigam zusammengeflossen. Zu einerandern Zeit fand sie sich von ihrem heißen Liebesfeuer so sehrergriffen, daß sie sprachlos ward, und den Gebrauch ihrer Sinneverlor.
Aber ich habe auch in den zahlreichen Lebensbeschreibungendieser heiligen Seelen eine Verschiedenheit in ihren Empfindun-