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gen, nach der Verschiedenheit der Weltgegend bemerkt. Dieheilige Gertrud aus Sachsen, eine Dame aus dem edlenGeschlechte der Grafen von Hakeborn, und Aebtissin des Maus-feldischen Klosters Helffde, rief im dreyzehnten Jahrhundert inihrer kältern Entzückung aus: „ O Gabe, welche über alle Ga-ben ist, in dieser Apotheke von den Gewürzen der Gottheit sosehr gesättigt, und in diesem lustigen Weinkeller der göttlichenLiebe so überflüssig trunken, ja so voll zu werden, daß man nichteinmal den Fuß bewegen kann!''
Einen ähnlichen Wahnsinn sieht man stufenweise bey allenMenschen entstehen, die, ihrer überspannten Einbildungskraftallein überlassen, ihre Bestimmung und ihren Schöpfer miß-kennen, und unerleuchteten Ohrenbläsern mehr glauben, alsder Quelle alles Lichts, dem Heiland und der Schrift. Nichtssoll uns billig so sehr am Herzen liegen, als Gott gefällig zuleben; aber mannigfaltig, widersprechend und verworren sinddie Wege, welche man so oft zu diesem Endzwecke wählt, undzu wählen lehrt. Es scheint zwar der Vernunft gemäß, seineHoffnung nicht so sehr auf ein bloßes Religionsgepränge, aufeine gesuchte scheinheilige Sprache und Geberden, auf einegezwungene abergläubische Aengstlichkeit, oder auf die feineTäuschung einer moralischen Entzückung zu lehnen, als aufdie durchgängig herrschende Richtigkeit des Herzens und desLebens, auf den reinen und ruhigen Frieden der Tugend, aufein Christenthum, das sich durch ein beständiges und gewissen-haftes Betragen zeigt. Allein erst dann fangt die Einbildungs-kraft au recht zu wirken, wo die Vernunft stille steht; dieseliebt die Einfalt, das Feste, das Lehrende, das Begreifliche;k jene liebt die Ziererei.), das Verblümte, das Unbegreifliche.
> Unser Glaube ist der Leitstern in dem Lande des Unbegreiflichen;
! aber auch den Glauben soll die unerbittliche Vernunft, die^ Vernunft der würdigsten Menschen und der reinen Geister lei-ten; denn nur ein blöder Schwärmer glaubt, man müsse diesehöchste, von Gott empfangene Gabe verabscheiden, um einwahrer Christ zu seyn. Die plötzliche und allzustarke Aufmerk-samkeit auf das Unsichtbare und mit der Einbildungskraft Be-