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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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494
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Verstand der Weiber ganz auf ihrem Busen. Der untere Theildes! Leibes wird durch die Schni'irbrüste gepreßt, damit derobere desto freyer sey, und sich das Blut am meisten dahin ziehe;damit das Fett sich desto bequemer ergieße, und damit sich alleszu dieser wollustathmenden Wölbung verbinde. Die Entblö-ßung der Brust wird durch die Gewohnheit zwar unschädlich,aber an vielen Orten zeigen die Bürgersweiber ihren Busennur bey Ehrenanlässen. In diesen Fällen ist das Wetter nichtallemal günstig, und der Mangel der Gewohnheit macht, daßsie sehr leicht in Brustkrankheiten verfallen. Auch sollten dieGesetze entweder allen Weibern die Entfaltung des Busens erlau-ben, oder sie allen verbieten.

Weit schädlicher ist die zu der Gestaltung eines schlankenLeibes ganz unnütze, und darum in London, wo man dieschönsten Leibesgestalten sieht, bey allen jungen Mädchen nun-mehr unterlassene Pressung des Unterleibes durch die Schnur-brüste, obschon sie doch in einigen Fällen nützlich scheint. Ichsehe, daß die schwächsten Frauenzimmer zuweilen weiche Schnür-brüste tragen müssen, weil eS ihnen sonst unmöglich ist, ihren Rü-cken aufrecht zu halten. Aber alle Gattungen von Krankheiten öeSMagens, das gänzliche und anhaltende Zurückbleiben der mo-natlichen Eiseinigung mit allen seinen schädlichen Folgen, einaufgedunsenes Wesen im Angesicht, Rothläufe, alle Reihen vonMutterbeschwerden, Ohnmachten, tiefe Melancholie, schwereGeburten und auch zuweilen Schlagflüsse, sind die Folgen die-ser unvernünftigen Pressung. Ich getraue mir nicht ein Frauen-zimmer von den meisten der angeführten Uebel gänzlich zu be-sreyen, wenn sie ihr Schnürleibchen für einige Zeit nicht weglegt,oder wenigstens einen fühlbaren Raum zwischen ihrem Körperund dem Schnürleibchen übrig läßt. Rüssel sagt, in Alepposchnüren sich die Weiber gar nicht; dieses und ihr öfteres Ba-den ist die Ursache der leichten Geburten, die man in Syriendurchgehends wahrnimmt.

Die Weiber achten ihre Schönheit höher als ihr Leben.Sie sind daher um so mehr zu beklagen, wenn die Gewohn-heit oder die Religion ihnen lächerlicher Weise Schnürleiber