Buch 
Feldmarschall Graf Radetzky : sein kriegerisches Leben und seine Feldzüge vom Jahre 1784-1850 / von Franz Jos.Adolph Schneidawind
Entstehung
Seite
93
JPEG-Download
 

Einfall in die Grafschaft Nizza oder gar in die Provencedachte, waren ihm (gewiß nicht mit Unrecht, meint Clausewitz)ein Grauet, ^-uwarow erhielt also die höfliche Weisung, fürdie Unterwerfung der Plätze zu sorgeu und sich jedes anderenUnternehmens möglichst zu enthalten. Die Heere ruhten nunfast anderthalb Monate; nur die Belagerungen der noch von denFranzosen besetzten Festungen wurde mit Nachdruck betrieben.Die Citadelle von Turin ergab sich am 20. Juni an den öster-reichischen General Kann, die von Alessandria am 22. Juli anden österreichischen General H. Bellegarde, und am 28. Julicapitulirte die Festung Mantua, nicht ohne Vorwurf gegen denBefehlshaber des Platzes, General Foisac, an den österreichi-schen General Kray, welcher die Belagerung befehligt hatte.Auch Seravalle (am 7. August), Forte Urbino rc. capitulirtenan die Verbündeten. Oesterreichische Cvlonnen hatten sich überdie Legationen, Parma und Toscana ausgebreitet; die parthe-nopäische Republik in Neapel war gestürzt rc. und die Frank-reich feindselig gesinnte Bevölkerung Italiens bildete selbst überallbewaffnete Schaaren, um damit die Verbündeten zu unterstützen.Aus Italien kam eine Ilnglückspost um die andere an die Re-publik zu Paris an!

Die Lage in Italien sollte verbessert werden. Der neuefranzösische Kriegsminister Bernadotte bemühte sich, das Heerund das Material in möglichster Schnelligkeit herzustellen; Ge-neral Lemoine führte Verstärkungen nach Italien; Schaarenvon Conscribirten zogen über die Alpen u. s. f. Einen Feld-herrn aber sandte dahin der neue Director Sieyes, den Gene-ral Joubert, dessen jugendliches, feuriges Naturell, hohe Ein-sicht und bewährte Tapferkeit große Hoffnungen erweckt hatten.General Championnet, eben ehrenvoll aus einem Prozesse her-vorgegangen, sollte mit etwa 15,000 Mann, die man alsAlpen-Armee eben in Grenoble gesammelt hatte, ebenfalls nachItalien aufbrechen. Moreau aber wurde aus Italien abgerufen,um den Oberbefehl am Rheine zu übernehmen; blieb jedoch,auf Jouberts Ersuchen, noch bei der italienischen Armee zurück,bis die erste Schlacht geschlagen und die Krise vorüber seynwürde.

Joubert kam am 5. August in Genua an, und übernahm denHeerbefehl. Den beiden siebenzigjährigen Feldherren Melaöund Suwarvw trat er entgegen, ein Achill an Gestalt undjugendlichem Feuer. — Championnet sollte Turin bedrohen;Joubert die Beste von Tortona zu entsetzen suchen; beide soll-ten sich bei Coni (Cuneo) vereinigen. Alles dieses konnte