Buch 
Feldmarschall Graf Radetzky : sein kriegerisches Leben und seine Feldzüge vom Jahre 1784-1850 / von Franz Jos.Adolph Schneidawind
Entstehung
Seite
124
JPEG-Download
 

die tüchtige Mannschaft sammelte sich am Genfer-See; dorthinwurden auch in aller Stille Geschütz, Kriegs- und Mund-Vorräthe gebracht. Diese Reserve-Armee hatte dem Namen nachAlexander Bcrthier zum Befehlshaber; der erste Consul konntenach dem Princip der Konstitution nicht selbst in das Feldziehen; doch Bonaparte, des Beifalls der Nation gewiß, deutetees, daß ihm nicht verwehrt sey: „bei der Armee gegenwärtigzu seyn." Das klebrige fand sich von selbst. Auch hatte schondas Gesetz vom 17. Vendemiaire, welches die Bildung einerReserve-Armee befahl, den ersten Consul als Chef genannt.Bonaparte verließ am 6. Mai Paris, langte am 8. in Genfan, musterte am 13. Mai die Avantgarde, sechs Regimentertrefflicher Soldaten, unter Lannes, und ließ nun den Alpenzugbeginnen. Für die Hauptarmee war der große St. Bernhardö-berg bestimmt worden; die Abtheilung Moncey's sollte überden St. Gotthard und Simplon; Chabran mit 5000 Mannüber den kleinen St. Bernhardsberg; Tharreau mit 3000 Mannüber den Mont-Ccnis und Mont-Genevre ziehen. Die Straßeüber den großen Bernhard hatte General Marescot untersuchtund auf seinen Bericht, daß der llebergang möglich, aber mühe-voll sey, Bonaparte den Aufbruch befohlen. Die Schwierigkeitwar, wie der Erfolg zeigte, minder groß, als die Vorstellungdavon, und eigentliches Hinderniß erst jenseits des Berges.Man hatte musterhafte Anstalten getroffen; Maulthiere warenin großer Anzahl bereit zum Transport der Kriegsvorräthe;alles Heergeräth war in möglich geringe Theile zerlegt; dieKanonen von den Lafetten genommen und in ausgehöhlte Baum-stämme gelegt, wurde jede von 100 Soldaten fortgeschleift. ImHospiz auf dem St. Bernhard waren Lebensrnittel zusammen-gehäuft; es war gesorgt worden, daß jeder Soldat daselbst mitBrod, Käse und Wein erquickt werden konnte. Kriegömusikermunterte den Schritt, bei schwierigen Stellen wurde wie zumAngriff getrommelt. Voran zog Lannes am 16. Mai. Beiseiner Ankunft in Aosta stieß Chabran, schon vom kleinen St.Bernhard angelangt, zu ihm; der Zug über den großen St.Bernhard setzte sich fort bis zum 20. Mai. Bonaparte selbstbrach am 19. Mai von Lausanne auf, übernachtete in Mar-tigny und überschritt den Berg mit den letzten Abtheilungenseines Heeres *). Gerade in diesem Augenblicke war Melas

Er verweilte eine Stunde aus dem Gipfel des BergeS; er rührte undentzückte die Mönche — schreibt Schlosser — weil er in der Bewe-gung seines Innern über die Scene des Marsches und des Gewühlsmitten in der Oede einer großen Natur, sich ihnen so gab, wie er