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Feldmarschall Graf Radetzky : sein kriegerisches Leben und seine Feldzüge vom Jahre 1784-1850 / von Franz Jos.Adolph Schneidawind
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136
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gesummten Reiterei, mindestens der rüstigsten Anstrengung dergegenwärtigen bedurft; jedoch kein Befehlshaberwort riß siefort zum vernichtenden Sturm;, sie feierte in diesen verhängniß-vollen Stunden. Die Oesterreicher glaubten keinen hartnäckigenWiderstand zu finden und bewegten sich auf der Straße gegenSän Giuliano vorwärts, deS Sieges gewiß. Selbst die fran-zösischen Generale hielten die Schlacht für verloren. Dieserbeiderseitige Wahn dauerte einige Stunden. Dessairö An-kunft führte zu einer zweiten Schlacht.

Gegen 4 Uhr Nachmittags traf Desfair mit der DivisionBoudet, 5316 Mann Fußvolk, 200 Husaren, von Nivalta, beiSän Giuliano ein. Er sagte, die Schlacht sey verloren, abernoch Zeit genug eine zweite zu gewinnen. Bonaparte hemmteden Rückzug der geschlagenen Divisionen. „Ihr wißt," sagteer, „daß ich immer auf dem Schlachtfelde Nachtlager halte."Dcssair traf seine Anstalten mit der Geschicklichkeit, die ihmschon lange den verdienten Ruf eines der ersten GeneraleFrankreichs erworben hatte. Er stellte die Division Boudetin zwei Linien vor Sän Guiliano auf. Sein erstes Treffenbenutzte den mit Weinhecken und Bäumen dicht bewachsenenTerrain. Zwölf Geschütze, von dem Artilleriegencral Marmontausgestellt, deckten seinen rechten, und die Rciterbrigade Keller-mann seinen linken Flügel. Alles, was geflohen war, sammeltesich hinter Dessair. Das Corps von Lannes und die DivisionMvnnier nahmen ihre Stellung rechts von ihm; jenes vonVictor kam als eine Art Nachhut hinter die Division Boudet.Die übrige Reiterei Murats stand in zweiter Linie, gebildetin eine Colonne und bereit, durch die Zwischenräume zubrechen.

Unbesorgt rückte Zach über Casina grossa auf SauGiuliano, in zwei Treffen seine Colonnen geordnet, vor undzwar mit klingendem Spiele; an den Weinhecken angekommen,empfing ihn aber plötzlich ein heftiges Flinten- und Kartät-schenfeuer, welches die leichte 9. Halbbrigade und GeneralMarmont demaökirt hatten. Die drei Bataillons des Regi-ments Michael Walliö wichen bestürzt zurück; allein die fünfGrenadierbataillons wankten nicht, als Dessair mit seiner Di-vision, die 9. leichte Halbbrigade voran, hervorstürmte und sichmitten in die österreichischen Bataillons stürzte. Dieser rasche,unvermuthete Angriff machte die bisher siegenden Oesterreicherstutzig, sie entzogen schnell ihre bereits aufgefahrene Batteriender Gefahr genommen zu werden, und Zach suchte Widerstandzu leisten. Dem tapfer vordringenden Deffair brach eine Flin-