Ein mörderisches Musketen-- und Kartätschenfeuer streckte dieStürmenden nieder; Paumgartenö linker Arm wurde zerschmettert,I. Schwendi, Salis' Adjutant, ein hoffnungsvoller Jüngling,stürzte todt an des Majors Seite nieder, und Viele nochtheilten sein Loos. Der Angriff der Oesterreicher wurde zurück-geschlagen; umsonst suchte sie Salis zu halten und wollte sieauf's Neue vorwärts sichren*); umsonst wars G. Schäfer,Zimmermann vom 6. Bataillon der Wiener Freiwilligen, einenfeindlichen Fahnenträger zu Boden, nahm die Fahne und schwangsie den Waffenbrüdern jubelnd entgegen, um ihnen Muth zumachen; die Oesterreicher mußten in den Vermarkt zurück-weichen.
Nur ein Mittel blieb jetzt noch übrig, um die Gefahr abzu-wenden, wenn Massena noch am nämlichen Tage den Ueber-gang über die Traun und den Durchgang durch Ebersberg mitReiterei und Geschütz erzwäng: der Ort mußte den Flammenpreisgegeben werden. Johann Gabella, Unteroffizier vomArtillerie-Regimente, ein böhmischer Veteran, unternahm daskühne Wagstück, den von den Franzosen besetzten Theil desMarktes am Brückenthore anzuzünden. Mit einem Bündelbrennender s. g. Lichte!» in der Hand rannte er auf den Marktund gegen das Brückenthor, wars den Brennstoff in ein zunächstder Brücke gelegenes Haus und kehrte, ungeachtet eines Kar-tätschen-Hagels aus zwei Kanonen und der Kugeln, die auSallen Fenstern auf ihn abgefeuert wurden, unverletzt wiederzurück **). In kurzer Zeit stand das Haus, dann ein Theil desMarktes in Flammen.
Gleichzeitig versuchten die Franzosen neue Angriffe aus dieAnhöhe des Schlosses und den Vermarkt; ganze Massen, welchejene ersteigen wollten, wurden jedoch niedergeschmettert, und jedeAbtheilung, die in den Vermarkt drang, mit dem Bajonnetezurückgeworfen. Aber stets wurde der blutige Angriff vonbeiden Seiten aus das Schloß, den Vermarkt und auf denMarkt, obschon fruchtlos, wieder erneuert. Beide Parteienwechselten häufig die Rollen, und die Angegriffenen gingenschnell zum Angriff über, um bald darauf sich wieder aus ihreVertheidigung beschränken zu müssen. Leichenhügel thürmtensich auf dem regen Kampfplätze vor dem Ennserthore und auf
*) Damals rief Salis unmuthig aus: „Hätte nur mein Bataillon sichdurch die verworrene Masse durchdringen können, meine Braven wärenmir gewiß gefolgt."
**) Der Erzherzog Ludwig von Oesterreich schenkte dem Gabella 200Gulden.