Dem Könige Carl Albert lag durch die Lage der Dinge dievollste Aufforderung zur angestrengtesten Thätigkeit vor. Nochschien ihm selber wenigstens daö Uebergewkcht im freien Felde ge-sichert. Das Gefecht bei Goito hatte die Ueberzeugung davon,wenn sie durch die Schlacht bei Santa Lucia erschüttert war,wieder einigermaßen befestigt. Die Stimmung Italiens forderteThätigkeit, es wollte Erfolge sehen von dem, der sich sein Schwertnannte und sich so gern als sein künftiger Herrscher bezeichnet hörte.Aber was sollte nach dem Falle von Peschiera unternommenwerden? Napoleonische Ideen wurden dabei auf's Tapet ge-bracht. Noch einmal den Versuch zu machen, Radetzky nach Ve-rona hinein und dann von da herauszuwerfen, das schien nachder blutigen Zurückweisung von Santa Lucia nicht rathsam. EinAngriff über Rivoli zeigte auf dem Wege keinen Erfolg, weil dieOesterreicher schon wieder Friaul in Besitz hatten und also dieLinie durch Tirol nur noch eine untergeordnete Wichtigkeit habenkonnte. Die Oesterreicher jenseits der Etsch aufzusuchen, dasscheint gar nicht in Berathung gekommen zu seyn. Nur einmalerwähnt es der General Bava in einem seiner Berichte an denKönig, hält es aber nicht für thunlich, weil doch die Mincioliniebewacht und vertheidigt werden müsse*). So blieb denn freilichnichts übrig, als, auch vielleicht nach dem großen Vorbilde Na-poleon, etwas gegen Mantua zu unternehmen. Und dazu wur-den nun wirklich, nachdem man einen ganzen Monat von Neuemmit Nichtsthun hingebracht hatte, vom 13. Juli ab ernsthafteAnstalten gemacht.
Der General de Sonnaz blieb mit der Division Brogliaund der zweiten Reservedivision Visconti als linker Flügel stehen,und hatte die Aufgabe, das Terrain von Rivoli bis Valeggio zuvertheidigen. Der König verlegte sein Hauptquartier nach Rv-verbella. Die Division Ferrere marschirte aus dem Lager beiGoito über Curtatone bis gli Angeli und nahm eine Stellungvor dem Fort Belfiore und der Ueberschwemmung bis gegen
Wenn das freilich unausweislich gewesen wäre (schreibt so tüchtig Willi-sen), so hatte er Recht, denn dann hätten allerdings zwei Armeen zu ei-ner solchen Unternehmung gehört. Die Oesterreicher glaubten aber nicht,als sie ihre schöne Bewegung nach Mantua machten, daß sie eine zweiteArmee an der Etsch stehen lassen müßten, und den Piemontesen kam esnicht in den Sinn, während dem über die Etsch zu gehen. Ebensowenigwürden die Oesterreicher an eine Bewegung über den Mincio gedachthaben, wenn die piemontesische Armee mit ganzer Kraft im Venetiani-schen erschienen wäre, wobei ihre Verbindungen Ferrara und Venedigmindestens eben so gut waren, als die von Mantua-Legnago für jenezur Zeit ihrer Unternehmnngen an den Curtatone.