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Feldmarschall Graf Radetzky : sein kriegerisches Leben und seine Feldzüge vom Jahre 1784-1850 / von Franz Jos.Adolph Schneidawind
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wie dieses der Fall im österreichischen Erbfolgekriege war, umStücke der Lombardei an sich zu bringen. Aber auf den Besitzdes ganzen Königreiches hat Carl Albert zuerst Anspruch zu machengewagt. Auf welche Rechte stützt er diese Ansprüche? Auf keine.Oesterreich besitzt die Lombardei kraft derselben Verträge, denendas Haus Savoyen den königlichen Titel und den Besitz derInsel Sardinien verdankt. Etwa aus das Recht der Eroberung?Carl Albert hat nie die Lombardei erobert; er hat einen Momentder Entblößung des Landes benutzt, um treulos in dasselbe ein-zufallen, aber er ist schmachvoll aus demselben vertrieben worden.Vielleicht also auf das Recht der freien Volkswahl, durch diesogenannte Fusion? Diese Fusion ist selbst nichts, als eine Em-pörung, ein ungesetzmäßig und gewaltsam erzwungener Act einerPartei, von vem drei Viertheile der Bevölkerung selbst jetzt nochkeine Kenntniß, keinen Begriff haben. Carl Albert hat niemalsdie Sympathien der Lombardei besessen, noch besitzt er sie jetzt;das gestehen seine eigenen Generale. Man rechnete auf seineArmee, auf die Hilfe seiner Macht, darum schmeichelte man sei-ner Eitelkeit und Herrschsucht; als jene gebrochen war, artetendie Sympathien in Haß, in die unwürdigsten Beschimpfungenaus. Wer sie kennen lernen will, diese Liebe der Lombarden zuCarl Albert, der besuche die Casa Greppi zu Mailand, und erwird die Spuren dieser Liebe in dem mit Kugeln durchlöchertenPlafond des Saales finden, in welchem Carl Albert sich befand;der lese seine schimpfliche Flucht bei Nacht und Nebel aus derHauptstadt seiner treuen lombardischen Alliirten, und frage sichdann, ob ein so mißachteter König ein König der Volkswahlseyn könne. Nie ist noch ein König unwürdiger behandelt wor-den, als Carl Albert von den Mailändern, und zwischen ihmund den Lombarden soll jemals Liebe und Anhänglichkeit geherrschthaben oder je wieder herrschen können? Beide Theile betrügensich, einer hofft den andern zu überlisten, und wenn erst der ge-fürchtet« Oesterreicher besiegt ist, sich leicht dem Einfluß des an-dern entziehen zu können. Carl Albert arbeitet an dem Sturzeseines Thrones und seiner Dynastie, als sey er der erste AgentMazzini's; er, einst der absoluteste Monarch, der je auf einemThrone saß, glaubt nunmehr diesen Thron durch demokratischeGassenpolitik befestigen zu können. Ehrlichkeit und Gerechtigkeitsind Tugenden, die ein Monarch am allerwenigsten entbehren kann;die Geschichte weist kein Beispiel auf, daß Throne durch Treu-bruch und Meineid befestigt worden sind; auch Carl Albert wirdden feurigen, den er durch Eroberungssucht und grenzenlosenEhrgeiz selbst untergraben, dadurch nicht sichern. Der Gerechtigkeit