und wusch, die Pflichten weit entfernter Lieben übernehmend,manchem Todten mitleidig das wachsbleiche Antlitz.
DaS zweite, dritte und vierte österreichische Armeecorpslagerten in ihrer Gefechtsstellung, hinter ihnen, an der Heer-straße, daö Reservecorps. Die Wachtfeuer erhoben sich bis dichtvor Novara. Das erste Armeecorps lagerte anderthalb Stundenrückwärts bei Monticelli, am rechten Ufer der Agogna, wo seineletzten Truppen erst um 3 Uhr nach Mitternacht eintrafen. DasHauptquartier kam nach Vespolate, einem kleinen Ort. DerRitt vom Schlachtfelde nach Vespolate war wegen der vollge-stopften Straße gefährlich. Das Hauptquartier bildete dabei einelange Reihe, an deren Spitze der Feldmarschall ritt. Es warschon vollkommen finster. -
In der Stadt Novara, wo sich nun die piemontesischenTruppen von allen Thoren her zusammendrängten, trat die fürch-terlichste Verwirrung ein. „Der Bürger hat den Krieg gewollt,er soll ihn zahlen," schrie der wüthende Soldat. Nicht nur, daßer Läden und Wohnungen plünderte, um Eßwaaren, Wein zu be-kommen, nein, sie erstürmten auch Goldschmiedslädcn und Häu-ser, um Gold und Geld auszuleeren. Sie zertrümmerten auchFenster und Mobilien, und warfen selbst Feuerbrände in Woh-nungen und Gewölbe. Dank der festen Cvnstruction der Häuserder Stadt, daß Novara kein größeres Brandunglück erlitt. Nurwenige Gebäude gingen in Flammen auf. In den Gassen er-schallte wildes Geschrei und- knallten Flintenschüsse. Die Reitereisollte einschreiten, aber die Plünderer schössen sich mit ihr herum.Alle Bande des Gehorsams waren LelöSt, und die meuterischenSoldaten achteten nicht mehr der Befehle ihrer Offickcre, nichtmehr des Wortes ihres KönigS, der umsonst die Straßen durch-ritt, um dem Plündern und Zerstören Einhalt zu thun Rasendeerhoben ihre Faust gegen ihn, und Gewehre wandten sich gegendas Haupt des Monarchen. Tausende von Soldaten suchten inregellosen Haufen auf der einzig offenen Straße gegen Arona,Domo d'Ossola, rc. die Heimath zu gewinnen. Wurde den Feind-seligkeiten nicht schleunigst ein Ende gegeben, so waren Tausendeund Tausende von Kriegern nebst vielen Geschützen verloren, wiebekanntlich bei allen entscheidenden Schlachten die Früchte desSieges erst in der Verfolgung eintreten. Nur ein Waffenstill-stand konnte das piemontesische Heer vom gänzlichen Untergängeretten.
Carl Albert hatte sich während der Schlacht überall befun-den, wo die Gefahr am größten, wo der Kugelregen am stärkstenwar. Um 7 Uhr Abends ließ er sich bereden, das Schlachtfeld