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Feldmarschall Graf Radetzky : sein kriegerisches Leben und seine Feldzüge vom Jahre 1784-1850 / von Franz Jos.Adolph Schneidawind
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554
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zu verlassen, noch verweilte er aber vor den Wällen und derMauer der Stadt unter einem Hagel von Geschossen, so daßGeneral Jaeob Durando ihn endlich beim Arme nahm und mitGewalt von einer Stelle entfernen wollte, wo er sich unnützerWeise der größten Gefahr aussetzte. Carl Albert widerstandihm, indem er ausrief: „Lassen Sie mich sterben, General, dießist der letzte Tag meines Lebens!" Bald darauf überzeugte sichder König jedoch, daß jeder Widerstand fruchtlos sey, und ersich eben einen Waffenstillstand erbitten und harte Bedingungenunterzeichnen müsse. Er erklärte daher sein Tagewerk für beendet,und sprach seinen festen Entschluß aus, zu Gunsten seines Soh-nes, des Herzogs von Savoyen, abzudanken. Dieser, sowie seinBruder, der Herzog von Genua, der Minister Cadorna, GeneralChrzanowsky und die Adjutanten des Königs, welche sich umseine Person befanden, drangen in ihn, diesen Beschluß zu wider-rufen. Doch Carl Albert erwiderte mit großer Ruhe und Festig-keit: „Mein Entschluß ist gefaßt, ich bin nicht länger der König;dort steht Euer Monarch, mein Sohn Victor Emanuel."

Durch diesen Entschluß, nicht länger auf dem Throne zubleiben, veranlaßt, entfernte sich Carl Albert schon während derNacht aus der Stadt, und in welch fürchterlichem Gemüthszu-stande, kann man sich denken. Der Tag von Novara und dasBetragen der Soldateska am Abende und in der Nacht hattensein Soldatenherz gebrochen.

Nachts gegen 1 Uhr fuhr vor dem kleinen Landhause, inwelchem F.-M.-L. Thurn sein Nachtquartier genommen hatte,eine Berline vor, auö welcher ein langer hagerer Mann stieg,dessen ernstes und düsteres Gesicht von einer erschreckenden Blässebedeckt war. Er wünschte den Commandanten des vierten Corpszu sprechen, und nachdem er zu demselben geführt war, sagte erihm, er sey Graf Bärge, piemontesischer Oberst, der den Dienstverlassen habe und nach Nizza gehen wolle. Die Armee, setzteer hinzu, sey vollständig geschlagen und befinde sich in gänzlicherAuflösung, ja in offenbarer Meuterei gegen die Officiere, welcheder Plünderung der eigenen Landsleute Einhalt zu thun bemühtseyen. Auf die Frage Graf Thurns, ob die Stadt Novara wie-der befestigt sey, antwortete der Oberst: „Ncin, die Bastionen sindschon längst abgefahren und zerstört, neue Schanzen sind nichterrichtet worden, und das Castell, die Citadelle hat auch keineBefestigung mehr." Darauf bat er, frei passiren zu dürfen, undund F.-M.-L. Thurn, der ihm in der kalten Nacht — der Regengoß herab — eine Tasse Caffs anbot, die der Fremde dankbarannahm, ließ ihn ziehen, sagte ihm aber beim Einsteigen; „8ir6,