Buch 
Feldmarschall Graf Radetzky : sein kriegerisches Leben und seine Feldzüge vom Jahre 1784-1850 / von Franz Jos.Adolph Schneidawind
Entstehung
Seite
580
JPEG-Download
 

S80

war General Bellini; die Regierung führte ein Triumvirat, andessen Spitze Alessandrini, Professor.

Von zwei Seiten her versuchten die Oesterreichs ihren erstenAngriff. Der Porta galliera näherte sich die Brigade des Gene-ralmajors Thun-Hohenstein bis auf hundert Schritte, als dasThor erst geschlossen, zugleich aber das an der Spitze niarschkrendeerste Bataillon des Regiments Erzherzog Carl sowohl von derStadtmauer her, als aus den anstoßenden Häusern mit einemheftigen Gewehrfeucr und demjenigen einer Kanone empfangenwurde. Nun wurden ebenfalls Kanonen vorgezogen, um dasThor einzuschießen, allein dieser Versuch scheiterte an der Stärkedes überaus festen Thores, und diese Geschütze wären ohne dieAufopferung der Soldaten, welche dieselben, da die Pferde nichtzukommen konnten, mit der Hand fortzogen, verloren gegangen.Noch waren drei dieser Geschütze nicht fortgeschleppt; dieselbenschienen verlassen, als 60 Carabinicrs aus der Stadt stürzten,um die Kanonen zu holen. Die verborgen gebliebene Bedeckungdieser Geschütze empfing aber diese Reiter mit einem so mörderi-schen Feuer, daß nebst ihren Anführern, Oberst Boldrini undMajor Marliani, zwei Drittheile der Mannschaft auf dem Platzeblieben. Die Ocsterreicher retteten ihre Batterie vollständig.

In der nämlichen Zeit war General Pfanzelter mit seinerBrigade gegen die Porta Castiglione herangerückt. Auch diesesThor und die Mauern waren stark besetzt, und von den Mauernrief man dem 10. Jägerbataillon zu: „Kommt nur her, hier istkein Vicenza!" General Pfanzelter bezog mit seiner Brigade,die nur aus 3 Bataillons und einer Schwadron bestand, nebstder ihm zugetheilten Artillerie eine Stellung anf den nächst gele-genen Höhen. Die Stadt wurde mit Raketen und Granaten be-worben; der Gemeinderath erbat sich einen Waffenstillstand, undF.-M.-L. Wimpffen bewilligte ihn auf 12 Stunden. Ein in sei-nem Hauptquartiere befindlicher päbstlicher Bevollmächtigter sandteProclamationen nach der Stadt, das Triumvirat aber verhindertederen Auötheilung. Die geringe Stärke des österreichischen Trup-pencorps, die unbedeutende Wirkung der Beschießung aus bloßemFeldgeschütze und abenteuerliche Gerüchte von herannahender Hilfe,von erfochtenen Siegen, u. dgl. m., nährten die kriegerische Stim-mung, die Widerstandslust der Republikaner. Wimpffen ließ seinGeschütz noch bis Abends 8 Uhr spielen. Dann aber schob erallen wettern Angriff auf, bis zur Ankunft von schwerem Wurf-geschütze aus Mantua und von Verstärkungen. In den folgendenTagen fiel außer einigen Vorpostengefechten nichts von Bedeutungvor. Am 12. wurde die Stadt noch einmal zur Uebergabe auf-