Buch 
Feldmarschall Graf Radetzky : sein kriegerisches Leben und seine Feldzüge vom Jahre 1784-1850 / von Franz Jos.Adolph Schneidawind
Entstehung
Seite
587
JPEG-Download
 

S87

nahe anhaltend geregnet und der Boden war so weich, daßder BelagerungSpark bei Mestre nicht auf dem Felde aufge-fahren werden konnte, sondern auf der Straße aufgestellt blieb.So mußte auch für die Eröffnung der Laufgraben günstigereWitterung abgewartet werden. Am 29. April um 2 Uhr nachMitternacht konnte endlich diese Arbeit beginnen. Die Leitungführten die Oberstlieutenants Khautz vom Jngenieurscorps,Bauernfeld von der Artillerie und Schiller vom Generalstabe.

Den Anstrengungen von 8000 Mann, welche täglich theilszur Arbeit, theils zur Wache in die Laufgraben beordert wurden,gelang es, bis zum 4. Mai die angeordneten Arbeiten trotz deSfeindlichen Geschützseuers zn vollenden. Am Tage zuvor warF.-M. Gras Radetzky in Mestre angelangt, und man schritt so-fort zur Beschießung.

Da die Besatzung von Malghera bisher mit ihrem FeuerauS dem Fort sehr verschwenderisch umgegangen war, so schloffenösterreichische Generale und Officiere anS dieser Erscheinung aufeine unsichere Haltung der Vertheidiger, und schmeichelten sich mitdem Gedanken, nach einigen wohlgezielten Schüssen die weißeFahne aufgesteckt zu sehen. Durch ungeduldiges Drängen einge-schüchtert, bequemte sich, wie man sagt, die Artillerie, ihren Vor-rath von 10- bis 15,000 Schüssen zn 72stündiger Beschießunggeeignet zu erachten. Am 4. Mai wurde die Beschießung auS6 Batterien, mit 15 Mörsern, 5 Haubitzen und 6 Kanonen be-gonnen; die 60, für die Beschießung bestimmten, Geschütze warendamals noch nicht alle bereit. — Um halb 1 Uhr Mittagsbrummte der erste Mörser, und langsam entwickelte sich das Feuerauf der ganzen Linie. Schon die ersten Schüsse schlugen trefflichein, der Feind blieb während mehrerer Minuten stumm; schonträumten sich junge Krieger im Besitz des Forts; da plötzlicherfolgte aus demselben ein so heftiges und anhaltendes Geschütz-feuer, daß zwischen 6—10 feindlichen Schüssen kanm ein öster-reichischer war. Die Laufgraben und Batterien und deren Umge-bung wurden mit einem Hagel von Eisen überschüttet, aberkaltblütig setzten die vortrefflichen Kanoniere ihre Arbeit fort, alsunterrichteten sie sich auf ihren Geschützständen bei Wien oderGratz. Die gegenseitige Kanonade dauerte bis in die Nacht, daslebhafte Feuer des Feindes veranlaßte auch die österreichischenKanoniere zum schnelleren Schießen, als ursprünglich angeordnetwar, und so begann schon gegen Abend der Munitionsvorrath inerschreckender Weise zu schwinden. Jetzt war man überzeugt, daßMalghera nicht durch einige Schüsse zu bezwingen seye, und manmußte sich entschließen, der Artillerie zur Beischaffung des ange-