600
Müllerstorf begleitet, an Bord des Dampfers Messagiere ein,der ihn nach Mestre brachte, von wo aus er auf der Eisenbahnin sein Hauptquartier zurückging.
Nach dem Feldzuge mit Piemont befand sich das Haupt-quartier Radetzky's in Mailand, dann in Monza, später inVerona, dann wieder in Mailand. Während seines Aufenthaltesin Monza, in der schönen Jahreszeit ritt Radetzky täglich umV-^5 Uhr im großen Park spazieren, ohne Furcht vor Attentaten,die anfänglich seine Umgebung befürchtete, da damals Straßenränderfrech ihr Gewerbe trieben.
Auch machte Radetzky mehrere Ausflüge durch die Provinzenund die von den österreichischen Truppen besetzten Gebiete Italiens.Er besichtigte z. B. am 4. Mai in Verona die Festungswerke;im Juni machte er eine Inspektionsreise durch Toscana, besuchteBologna, Florenz, n. s. w. Daß er wegen der Einnahme vonVenedig mehrere Male in Mestre war, daß er dann am 30.August 1849 feierlich im eroberten Venedig einzog, wissen wirschon. Aber später war er auch wieder in Venedig, wie am 18.December 1849, wo sein frisches Aussehen allgemein erfreute.
Am 6. August 1849 ward in Mailand der Friede zwischenOesterreich und Sardinien abgeschlossen. Der Länderbestand beiderMonarchien blieb unverändert, nach den Bestimmungen der WienerCongreßacte, welche auch hinsichtlich der Verhältnisse der Herzog-thümer Parma und Modena von Seite Piemonts neuerdingsanerkannt wurden. Eine seit längerer Zeit zwischen Piemontund Oesterreich erhobene Streitfrage über die Grenze bei Paviawurde durch die Bestimmung beseitiget, daß der Thalweg desGravellone die Grenze zu bilden habe, und der von Piemont zubezahlende Beitrag an Oesterreichs Kriegskosten auf 75 Millionenfranzösischer Franken festgesetzt. — In Folge dieses Friedens-Schlusses gab es mehrere Feierlichkeiten; selbst in Wien war eingroßes militärisches Fest mit Ausrücken, Defiliren, rc. der Truppenund Kanonendonner.
Gegen das Ende des Monats August mußte Radetzky einenAct der Strenge in Mailand ausüben lassen. Am 18. Augustwurde in Mailand der Geburtstag des Kaisers gefeiert; derBeginn der hohen Feier wurde mit Kanonenschüssen vom Castellebegrüßt und an demselben Morgen erschien eine Proklamationdes F.-M. Radetzky, mit welcher den politisch Verhafteten einevöllige Amnestie gewährt wurde, während er bereits am 12. denbei der letzten Revolution und noch im Auslande weilenden Com-promittirten eine Begnadigung angekündigt hatte. Dessen unge-achtet wirkten die Feinde der öffentlichen Ordnung, die Wühler, rc.,