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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
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§. 3. Vorbemerkungen.

bemerken; wir erfahren, dass letzterer eine Zeit lang Kriegsdienstethat *) und erinnern uns, dass auch Tscliirnhaus die Waffen getragenhat; wir erfahren, das Cartesius längere Zeit auf Reisen durchDeutschland, die Schweiz, Italien und Frankreich zubrachte * 2 ) undsehen auch Tscliirnhaus mehrere Jahre lang zum Theil dieselbenLänder durchstreifen. Mag nun diese Analogie mit Absicht lierbei-gefiihrt oder eine rein zufällige sein, immerhin schien es nicht un-interessant, auf dieselbe aufmerksam zu machen.

Wir gehen nunmehr, nachdem wir im Vorigen den Standpunkt, -wel-chen Tscliirnhaus cinnimmt, in der Kürze angedeutet haben, zu einergenaueren Darstellung seiner philosophischen Lehren über, zumal dadieselben in neuerer Zeit verhältnissmässig wenig beachtet worden sind 3 ).

J ) Reinhold: „Handbuch der allgemeinen Geschichte der Philosophie. ZweiterTheil. Erste Hälfte. Gotha. Hennings’sche Buchhandlung 1829” pag. 127.Anmerkung: „Unabhängig in seiner äusseren Lage durch den Besitz eines nichtunbeträchtlichen Vermögens widmete er sich späterhin dem Kriegsdienst und tratals Freiwilliger zuerst unter die Holländischen, dann 1619 unter die BaierischenTruppen. Während er in Holland diente und zu Breda seinen Aufenthalt hatte,trieb er mit Eifer die mathematischen Studien”. Er selbst erzählt in seiner„Dissertatio de Mcthodo”, pag. 7: „Eram tune in Germania, quö me curiositasvidendi ejus belli, quod nondum finitum est, invitarat; Et quum ab inaugurationeImpcratoris versus castra revertcrer, hyemandum fort6 mihi fuit in quodam loco,ubi quia nullos habebam cum quibus libentcr colloquerer, & prospero quodamfato omnibus curis Über cram, totos dies solus in hypocausto morabar, ibiquevariis meditationibus placidissirae vacabam.

2 ) Reinhold: „Handbuch der allgemeinen Geschichte der Philosophie. ZweiterTheil. Erste Hälfte”, pag. 128. Anmerkung: „Er verliess 1621 diese Ver-hältnisse. Nachdem er noch mehrere Reisen durch Deutschland, Schweiz, Italienund Frankreich gemacht und eine Zeit lang zu Paris gelebt, begab er sich 1629wieder nach den Niederlanden, um künftig daselbst seinen festen Wohnsitz zubehalten”. Er selbst berichtet in der „Dissertatio de Methodo” pag. 6: Capto-que consilio nullam in posterum quaerendi scientiam, nisi quam vel in me ipso,vol iu vasto mundi volumino possem rej>erire, insequentes aliquot annos variisperegrinationibus impendi: Atque intcrea temporis, cxcrcitus, urbes aulasqueexterorum principum invisendo, cum liominibus diversorum morum & ordinis con-versando, varia hinc inde experimenta colligendo, & me ipsum in diversis fortunaccasibus probando, sic ad omnia quae in vita occurrebant attendebam, ut nihil exquo eruditior fieri possem mihi viderem omittere”. Wahrscheinlich waren esGedanken derselben, oder wenigstens ähnlicher Art, die Tschirnhaus veranlassten,seine „wissenschaftliche” Reise zu unternehmen.

3 ) Z. B. Rcinhold in seinem: „Handbuch der allgemeinen Geschichte derPhilosophie. Zweiter Theil. Erste Hälfte” sagt nur pag. 407. Anmerkung 2):„Gleichzeitig mit Leibniz lebten noch zwei ausgezeichnete deutsche Gelehrte, welchemit ihren anderweitigen wissenschaftlichen Verdiensten ein in mancher Hinsichtschätzbares, wenn gleich zu keiner universalhistorisclien Bedeutung gediehenesStreben nach Verbesserung des Verfahrens in den philosophischen Forschungenverbanden. Der eine ist der berühmte Mathematiker und Naturforscher Elircn-fried Walther von Tschirnhausen (geh. 1651 zu Kiesslingswalde in der Obcr-lausitz, gest. 1708). Er suchte in seiner „Medicina mentis sive artis inveniendipraecepta gencralia” das, was er sich als die eigentliche Aufgabe der Logikdachte und worin er nur wenige Vorarbeiten anerkannte, zu losen uud eine aufSelbsterkenntnis des menschlichen Geistes und feste Regeln gegründete Methodeder Entdeckung der Wahrheit und der Ausbüdung der Wissenschaft überhauptzu entwickeln. Der andere ist ... Christian Thomasius ..