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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
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§. 4. Seine Logik.

quoque quadratum, ut in se roapse est, potcrit considerari”). Denn,wenn wir die Natur der Dinte, mit der es gezeichnet ist, kennten,würden wir es, insofern es materiell ist oder aus Dinte besteht, alsetwas sowohl von dem Quadrat, was wir mit den Sinnen wahr-nehmen, als auch von dem mathematischen ganz verschiedenes con-cipiren. Nachdem so der Theil 1. der allgemeinen Regel (s. pag. 29)erledigt ist, wendet sich Tschirnhaus zum

Theil 2. derselben. Derselbe lautete, wie wir uns erinnern,dass jode Art Gedanken nun wieder ebenso zu behandeln soi. Dieswird nun durch Beispiele erläutert, indem die entia imaginabilia,mathematica oder rationalia, und physica oder realia einzeln nacheinander betrachtet werden.

Was zunächst die entia imaginabilia betrifft, so bemerken wiran ihnen einen dreifachen Unterschied. Nämlich 1) einige derselbensind so beschaffen, dass etwas äusserliches vorhanden sein muss,wenn sie percipirt werden sollen; dahin gehören die Dinge, die wirmit den Sinnen wahrnchmen; 2) einige sind so beschaffen, dass wiruns dieselben, auch wenn sie weit entfernt sind, vergegenwärtigenkönnen; dahin gehören die Bilder, die wir uns von abwesendenDingen entwerfen; 3) einige endlich können wir uns nicht ver-

gegenwärtigen, und uns kein Bild von ihnen machen, auch nicht,wenn wir sie noch so lebhaft wahrnehmen; dahin gehört alles, wasuns gefällt oder missfällt, Schmerz, Vergnügen, Hass, Liebe, u. s. w.,kurz alle unsere Leidenschaften. Dass wir mit diesen drei Artenalle Arten der entia imaginabilia umfasst haben, geht aus folgenderBetrachtung hervor: Unser Verstand („mens”) kann betrachtet wer-den theils als etwas thätiges (als ein mens agens), theils als etwasleidendes (als ein mens patiens). Insofern er das erstere ist, heisst er:„concipiendi, seu intelligendi” facultas, insofern er letzteres ist,heisst er: „percipiendi, seu imaginandi facultas” Wir kennennun drei Operationen des intellectus: die erste, insofern er ein „ensphysicum admodum remote” concipirt; dies geschieht durch die Thä-tigkeit unserer „activen imaginatio”: die zweite, insofern er dasselbeDing abstract concipirt; dies geschieht durch die „ratio”: die dritte,indem er das Ding an sich concipirt; dies geschieht durch den„purus intellectus”. Dem entsprechend giebt es auch drei Func-tionen der imaginatio: erstens insofern äussere Eindrücke von fern(„admodum remote) auf den Verstand wirken, was durch die Sinnegeschieht, dies heisst „sentire”; zweitens, insofern äussere Eindrückenäher („propinquius”) wirken, was durch die Vorstellung abwesenderDinge geschieht, dies heisst „imaginari” im engeren und eigentlichenSinne; drittens insofern äussere Eindrücke ganz nahe und unmittel-bar („proxime seu immediate”) einwirken, was durch die Leiden-schaften geschieht, dies heisst „percipere seu affici”. Hehr Functionender imaginatio kann es nicht geben.

Was sodann die entia rationalia (oder mathematica) angeht, sohaben wir hier folgendes zu erwägen: 1) Die mathematischen Ob-