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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
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§. 4. Seine Logik.

und bis man dann rücksichtlich der Axiome und Theoreme bemerktdass nichts weiter concipirt werden kann. Tsehirnhaus sehliesst ausdieser Vergleichung, dass die vier Regeln des Cartcsius für einenUngeübten schwer anzuwenden sein, was bei seinen nicht der Pall sei.

Um Aufgaben geschickt lösen zu können, räth endlich Tsehirn-haus, sich zunächst an mathematischen zu üben, weil man hier dieUatur der in Betracht kommenden Dinge am besten kenne, sodannsich mit solchen Problemen zu beschäftigen, wo die' Natur der zuerwägenden Dinge durch Erfahrung und Experimente bekannt sei,Und endlich solche yorzunohmen, wo die Dinge weder durch dasUrtheil („rationc”) noch durch Erfahrung bekannt sein. Hauptsäch-lich aber kommt es darauf an, möglichst allgemeine Probleme zuerledigen, weil dadurch viele spezielle zugleich mit gelöst siud. Dasallgemeinste ist nun jedenfalls das, alle Definitionen oder „primiconceptüs” zu finden und mit ihrer Hülfe weiter zu gehen. Diesesist im Vorigen gelöst. Es ist jedoch nicht allein wichtig, die Wahr-heit zu erlangen, sondern auch, dies leicht und sicher zu können.Dies wird in der folgenden Abtheilung gelehrt, nämlich in der

Abtheilung 3. mit der Ueberschrift: „Sectio tertia. Qua rationcveritatis acquisitio exiguo labore perficiatur”. In diesem Abschnittsoll untersucht werden, welches die Hindernisse sind, welche derDrlangung der Wahrheit ontgegenstehen, sodann, welches ihr Ur-sprung ist, und endlich, wie sie zu heben sind.

Das erste Hinderniss nun sind die Irrthümer („errores”), indemWir Falsches für wahr halten. Was ihren

Ursprung („origo”) betrifft, so ist zunächst „ü priori” klar, dass’ m d warum Irrthümer die Erkenntniss der Wahrheit hindern. DennKenntniss („cognitio”) wird durch zwei Vermögen vermittelt,durch den intellectus und durch die imaginatio; in einem von bei-den müssen die Irrthümer ihren Ursprung haben. Im intellectuskann derselbe nun nicht zu suchen sein, denn alles, was concipirtWerden kann, ist wahr, was nicht concipirt werden kann, falsch.Die Irrthümer können also nur aus der imaginatio stammen. Undln der That, diese bewirkt, entweder dass uns Dinge verschieden^scheinen, die auch wirklich verschieden sind; in diesem Ealle ent-steht kein Irrthum, oder, dass uns Dinge verschieden erscheinen',die nicht verschieden, sondern dieselben sind; auch dann entstehtn °ch kein Irrtlium, sondern die Untersuchung wird dadurch nurverwickelter als nöthig wäre; oder endlich, dass uns Dinge alsdieselben und identisch erscheinen, die verschieden sind, und dannentsteht ein Irrthum. Sodann wird der für Erforschung der Wahr-heit nachtheilige Einfluss der Irrthümer aus der Erfahrung („ipsäexperientiä”) dargethan; z. B. kommt es vor, dass Jemand, der inein mit Spiegeln versehenes Zimmer tritt, sein Spiegelbild für eineandere Person hält uud dieselbe grüsst. Endlich zeigt sich' dieWahrheit der Behauptung an den „ontibus imaginabilibus, rationali-bus und realibus”. Zu den erstereu gehören die Bilder der Träume,