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§. 4. Seine Logik.
hüten, Dinge als verschieden anzusehen, welche identisch sind. Eindrittes Mittel ist, die imaginatio durch Beobachtungen und Er-fahrungen („per externa”) möglichst auszudehnen und den Gesichts-kreis zu erweitern; dann wird uns nicht leicht etwas aufstossen,was uns zu schwer erscheint. Wer viele Völker gesehen, vieleSprachen gelernt, viele Bücher gelesen hat, wird bemerken, aufeinen wie kleinen Kreis die imaginatio derer, welche dies nichtgethan haben, beschränkt ist. Da indessen bei dieser Erweiterungder imaginatio leicht falsche Eindrücke mit unterlaufen, muss siedurch den intellectus geleitet werden. Dies geschieht folgender-Maassen: Wir müssen uns etwas aufschreiben, ein Tagebuch führen,um es später zu überlesen, müssen uns mit dem bekannt machen,Was vor uns geleistet worden ist, und die Erziehung muss so ge-leitet werden, dass der intellectus vorwaltet. Die Erziehung („educa-tio”) ist nämlich darauf zu richten, dass der Mensch zu mensch-lichen Geschäften tauglich werde und ihm nichts schwer erscheine.Die Schwierigkeiten aber lassen sich auf drei Arten reduciren,erstens, die Schwierigkeit, sich mit andern passend zu unterhalten(„convenienter conversandi”) und mit ihnen umzugehen, zweitensdie, Wahres und Falsches zu unterscheiden, drittens die, Gutes undBöses zu unterscheiden, ersterem naehzustreben und letzteres zubeiden. Es sind also dem zu Erziehenden folgende Begriffe („no-tiones”) beizubringen, erstens „decori & indecori”, zweitens „veri& falsi”, drittens „boni & mali”. Das erstere wird erreicht durchUmgang mit verschiedenen Menschen, durch Besuchen verschiedenerNationen, durch Gesellschaft gebildeter (insbesondere „aulicorum”)Menschen, doch auch mit Leuten aus niedrigeren Ständen muss manVerkehren. Dadurch wird eine äussere Bildung erlangt, die, wennauch die innere von höherem Werthe ist, doch auch nicht ge-ring geschätzt werden darf. Die „notiones veri & falsi” werdendurch den intellectus erlangt; die Ausbildung desselben ist dahersoweit fortzusetzen, bis die imaginatio allmählich, soweit es möglichls t, auf ihn reducirt ist. Dies geschieht auf folgende Art: WennJemanden etwas gelehrt werden soll, was nur durch häufige Uebunggelernt werden kann, so muss er es oft im Beisein des Lehrerswiederholen; merkt letzterer aber, dass der Zögling ermüdet, soMuss er abbrechen. Dem Schüler ist zunächst nur das einfachsteUnd nützlichste, nicht gleich das beste mitzutheilen. Bei dem mathe-Matischen Unterricht sind zuerst die praktischen Dinge zu lehren,ohne Beweise, sodann ist der Euklid, hierauf der Archimed zuUehmen, damit der Schüler selbst merke, dies sei das bessere, end-lich sind die neueren Fortschritte: „Algebra, seu recentiorum arsanalytica” zu zeigen, „quod est ingeniosissimum & optimum hac inscientiä inventum”. Mit der Analysis anzufaugen ist falsch, besserist es, mit Euklid und Arcliimed anzufangen, dann auf Cavalieriüberzugehen und endlich die allgemeinen Methoden von Heurat undBarrow zu lehren. In der Physik sind zuerst die gewöhnlichen
Weissenborn: Ehrenfriert Walther von Tschirnlmns. 4