50
§. 4. Seine Logik.
Meinungen der Alten, des Demoerit, Lucrez u. a., dann die derneueren, Kircher, Verulam, Gasscndi, Gallilei, Cartesius u. a. vor-zunehmen, oder auch zuerst die Meinungen der Physiker, welche„principia imaginabilia”, dann die derer, welche „principia abstracta”,endlich die derer, welche „sola realia” zur Auseinandersetzung ihrerAnsicht („ad sua explicanda”) angewandt haben. Ferner darf demSchüler vom Lehrer nicht alles gezeigt werden, sondern er musssolhstthätig erhalten werden. Von Euklid z. B. sind nur die Postu-late und Axiome zu erklären, von den Propositionen nur sechs oderacht, bei langsamem Köpfen einige mehr durchzunehmen, und alleübrigen dem Schüler seihst zu überlassen. Ausser diesen Regelntheilt dann Tschirnhaus noch vier speziellere Regeln mit: Erstens:Einiges muss von früh an unablässig geübt werden, nämlich: nieist zu leiden, dass Kinder ganz müssig und unbeschäftigt sind, so-dann muss darauf gesehen werden, dass sie oft mit erwachsenen,mit Urtheil begabten, guten Menschen von feinen Sitten Zusammen-kommen , endlich sind sie von früh auf an Gehorsam zu gewöhnen.Die zweite Regel ist die: Sobald die imaginatio gehörig entwickeltist, ist ausser dem Gewöhnlichen, als: die christlichen Lehren, Lesenund Schreiben, vorzüglich das zu lehren, was ergötzt, z. B. Zeichnen,optische Belustigungen, physikalische Experimente, schön gemaltegeographische Karten u. s. w. Drittens, wenn der Körper kräftigerwird, sind Hebungen vorzunehmen, besonders Tanzen und Musik;letztere um aufzüheitern und jede müssige Stunde auszufüllen. Vier-tens, was das Erlernen von Sprachen anlangt, so darf dies nichteher vorgenommen werden, bis der Knabe Verlangen zeigt, dieDinge kennen zu lernen, die in einer fremden Sprache beschriebensind. Beim Erlernen sind drei Stufen zu unterscheiden, die erste,eine fremde Sprache zu verstehen, aber sie nicht sprechen zu können,die zweite, sie auch sprechen zu können, die dritte, in ihr überjeden Gegenstand sprechen und schreiben zu können. Mit letzteremwird oft angefangen, weil es für den Lehrer bequemer ist, müssigdazusitzen, während der Schüler ein Exercitium schreibt. Das istunrichtig. Es muss mit der Lecture begonnen werden, die Vocabelnsind dann auswendig zu lernen, zu decliniren und conjugiren. Wasendlich drittens die „notiones boni & mali” betrifft, so werden diesezwar nach vielem Nachdenken durch den intellectus erlangt, besseraber noch, wenn die imaginatio denselben unterstützt, denn dannunterscheiden wir am besten, was wirklich gut ist und was nurgut scheint („bona .apparentia & realia”)- „Bona realia” sind nachTschirnhaus: „sapientia”, „virtus”, „mentis tranquillitas”; „Malarealia”: „ignorantia”, „vitium”, „Status mentis inquietus”; „Bonaapparentia” sind: „honor”, „divitiae”, „delectationes sensuum”; „Malaapparentia”: „status. obscurus seu non adeö illustris in mundo”,„paupertas”, „absentia dclectationum sensüalium”. Was die Auf-einanderfolge betrifft, so sind zuerst und von der Wiege an die„notiones deeori & indeeori”, dann die „veri & falsi”, zuletzt die„boni & mali”, die ein reiferes Alter nöthig' haben, einzuprägen.