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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
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§. 4. Seine Logik.

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Ein sechstes Hinderniss besteht darin, dass wir oft nicht genugZeit und Müsse haben, uns der Erforschung einer Wahrheit zu'Widmen.

Der Ursprung desselben liegt in den Verhältnissen des Hebens,indem Viele durch ein Amt oder auf eine andere Weise genötliigtWerden, Zeit und Kraft auf andere Dingo zu verwenden.

Die Mittel dagegen sind folgende i Erstens müssen wir bei der"Wahl der Studien unserer Neigung folgen, denn dies ist ein Sporn,der uns nicht ermüden lässt. Ein zweites Mittel besteht darin,dass wir uns einer guten Methode bedienen, denn sie ersetzt dieHülfe anderer. Ein drittes Mittel sind die gelehrten Zeitschriften,die „Ephemerides eruditorum”, das „Journal des Scavans”, die „Philo-sophical Transactions”, das „Giornale de litterati di Koma”, die»Acta Eruditorum”. Da diese aber theuer sind, so schlägt Tschirn-haus vor, gelehrte Männer, die es könnten, möchten andere unter-stützen, die sie für fähig hielten, etwas zu leisten. Auch könnensich mehrere, etwa 50, zusammenthun, und einen Unterstützungs-fond gründen. Auch könnte durch ein Gesetz bestimmt werden,dass, wenn ein Glied dieser Gesellschaft („societas”) ohne Kinderund Verwandte stürbe, ein Theil der Erbschaft der Gesellschaftzufalle. Sollte dies nicht ausführbar sein, so, meint Tschirnhaus,würden sich gewiss in volkreichen Städten genug Leute finden, dieneue Erfindungen unterstützten.

Hiermit ist der Inhalt des Theil II. erledigt. Tschirnhaus schliesstihn mit den Worten'): „Denique confido, me generalia artis in-Veniendi (nam forsan de specialibus alias agam) praecepta tradidisse,quorum opo, si saltem iis recte semperque utimur, imposterumcuipiam impossibile fuerit in falsa incidere, aut veri-tatem non semper cognoscere, (veritatis enim & falsitatisclarissimam notionem, passim obviam, exhibui: nimirum id, quodpotest concipi, esso verum, & quod non potest eoncipi, esse falsuru,camque per totum hunc tractatum infinitis fere exemplis illustratumeonfirmavi,) quä etiam ratione quis semper absque errorePossit progredi, nova iterumque nova detegendo,modo ad id se velit applioare, (infinites enim definitionesformaro docui, quae si varie junguntur, varia hinc & indefinite novaformantur) idque exiguo labore: quomodo enim praecipua, quaeEie occurrunt, impedimenta possint ut pluvimum penitus tolli, sat-isprolixe declaravi”.

Die „Pars tertia” trägt die Ueberschrift: „In quo praecipue ob-jecto porscrutando vitam suaviter & maximo oblectamonto consumereliceat” 2 ). Das Beste ist, nach Tschirnhaus, seiner Neigung zu folgen,denn in dem, wozu man Lust fühlt, wird man das Meiste leisten.Wir wissen, dass schon ungebildete Menschen, wenn sie dies thun,

') Medic. Ment. pag. 270.

2 ) Vergl. pag. 22.

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