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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
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§. 4. Seine Logik.

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111 eandem curvarum evolutionem. Indo verö candom rem diversism °dis applicando, divcrsa plane eduxi, quemadmodum horum q uae _dam suprä exposui”.

Obgleich indessen jeder seiner Neigung folgen soll, so sind docheinige Wissenschaften nothwendig. Denn, um etwas zu leisten, istAnwendung einer guten Methode nöthig; diese besteht darin, dassman vom Leichteren zum Schwereren fortschreitet; die Hebung aber,dies immer zu können, wird durch das Studium mathematischerBücher erlangt, und dies kann Keinem erspart werden. InsbesondereBebt das Studium der Mathematik die drei hauptsächlichsten in Ab-tlieilung 3. des zweiten Theils aufgestellten Hindernisse, nämlichunbekanntes für bekannt zu nehmen, etwas gering zu schätzen,Weil es leicht ist, und mehr nach Nutzen, als nach der WahrheitZu streben. Im Uebrigen ist hiermit nicht gesagt, dass Jeder Mathe-matiker sein solle, sondern nur, dass Jeder sich die mathematischeMethode aneignen müsse. Hierzu empfiehlt Tschirnhaus die „Elo-menta Geometriae planae & solidae cum selectis exArchimede, authore Andrea Tacquet”.

Yon allen Wissenschaften gewährt das grösste Vergnügen undist daher besonders zu betreiben die „scientia naturalis”. Vielegeben das nicht zu, weil sie Verschiedenes darunter verstehen. Er,Tschirnhaus, erklärt sich so darüber: „Q,uod enim ad me attinet,mhil aliud hic per Physicam intelligo, quam scientiam universiaecurata Mathematicorum methodo ä priori demonstratam, & eviden-tissimis experientiis, ipsam imaginationem convincentibus, ä posterioriroboratam”. Allerdings behandelt die Physik Gegenstände, wobeiman sich leicht irren kann. Dem ist man in der Mathematik, welche„entia rationalia” behandelt, nicht so ausgesetzt. Dagegen giebt esin derselben oft verschiedene „definitiones seu generationes” einerUnd derselben Sache, und man weiss nun nicht, welche vorzuziehenist; ferner werden die Verhältnisse oft so complicirt, dass sie nurdurch Rechnung und häufiges Ansehen der Eigur, also durch Ope-rationen der imaginatio bewältigt werden können,, indem der intel-lectus allein nicht hinreicht. Desshalb scheint Tschirnhaus die Physikvorzuziehen, denn hier kommt es nicht darauf an, wie viel daseine grösser oder kleiner ist, als das andere, sondern ob es grösseroder kleiner ist u. s. w.; auch ist es hier nur nöthig, einen einzigenBeweis einer Sache concipirt zu haben, was in der Mathematikbicht so ist. Auch andere Wissenschaften, wie Mediein, Anatomie,Chemie, Astronomie, Optik, Ethik u. a. haben in diesen Beziehungenmanche Aehnlichkeit mit der Physik. Letztere befreit von Ruhm-Begierde, denn sie lehrt, dass die .Erde und alle Erfindungen ver-gänglich sind, sie lehrt Gottes Weisheit, Macht und Güte kennen,nnd sie macht die Begriffe von Unsterblichkeit, von Gott klarer undverständlicher. Daher ist auch in den Werken des Cartesius manchesdunkel, weil er die Physik nicht habe behandeln können, durch die,wie er selbst öfter erwähnt, erst vieles wirklich begründet wird.