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§. i. Seino Logik.
Erstens muss man Anatomie verstehen, denn der Arzt muss denSitz der Krankheit bestimmen können.
Zweitens muss aus der Natur des verletzten Gliedes und aus derArt der Verletzung beurtheilt werden, ob sie ohne Arzneien geheiltwerden kann. Dies muss auf folgende Weise geschehen: Zunächstist der verletzende Gegenstand zu entfernen, sodann muss Alles soschnell als möglich in den früheren Zustand zurückgebracht werden,ferner muss der verletzte Theil'in Kühe gehalten werden, viertensist er zur Stillung des Blutes 'und zur Abhaltung der Luft undetwaiger Unreinigkeit zu verbinden und fünftens warm zu halten.Die Augen werden nach Tschirnhaus besser als durch Waschen mitWasser dadurch geheilt, dass wir sie, wenn sie anfangen zu schmerzen,anstrengen, dadurch werden sie feucht und heilen. Der Mathematikerde Beaune ist, wahrscheinlich weil er dies nicht that, erblindet.
Drittens, bemerkt man, dass zur Heilung äussere Mittel nöthigsind, so sind diese anzuwenden; aber mit Vernunft, und die mög-lichst einfachen; auch muss man, wenn einmal ein Mittel gewähltist, dabei bleiben und darf nicht unnöthiger Weise wechseln, es seidenn, dass triftige Gründe dies verlangten.
Im Uebrigen, schliesst Tschirnhaus, halte er die in dieser Ab-handlung angegebenen Mittel nicht für die unfehlbar richtigen, son-dern nur für wahrscheinlich („probabiles”), er werde sich gern an-deren Ansichten unterwerfen, auch wenn sie von den seinigen noch sosehr abwichen, falls sie nur durch triftige Gründe unterstützt würden.
Dies der Inhalt des merkwürdigen und, wie schon erwähnt, vielgelesenen Werkes von Tschirnhaus. Eine kurze Inhaltsangabe des-selben findet sich in den „Actis Eruditorum, 1695, pag. 230”, undetwas ausführlicher in der „Bibliotheque universelle et historique del’annee M.D.C.LXXXVL Tome troisieme. A Amsterdam, chezWolfgang, Waesberge, Boom, & van Someren. M.D.C.LXXXVI”.Abtheilung „Novembre”, pag. 367—pag. 394, mit der Ueberschrift:„Medicina Mentis, sive Tentamen genuinae Logicae, in qua disseriturde methodo detegendi incognitas veritates. Cui annexa est MedicinaCorporis, seu Cogitationes admodum probabiles de conservandä sani-tate. Amstelodami. Apud Albertum Magnum & J. RieuwertsJuniorem 1686”. Während in den Actis einer Kritik nicht Raumgegeben ist, finden sich in der Bibliotheque universelle einige, aberallerdings nur wenige, Spuren einer und zwar Tschirnhaus nichtgerade wohlwollenden Beurtheilung. So heisst es z. B. daselbstpag. 372 bei Erwähnung der Eintlieilung der aus den Definitionengezogenen Wahrheiten in Axiome, Theoreme u. s. w.: „En donnantdes regles pour faire de bonnes definitions, il reprend, apres Clau-berge & le P. Mallebranche qu’il ne nomme pas, celle que les Peri-pateticiens donnent ordinairement de l’homme, & celles que Descartesfait du mouvement & du repos”. Eerner wird in derselben Zeit-schrift unmittelbar hinter Tschirnhausens „Medicina Mentis” ein Werkdes soeben genannten Clauberg angezeigt, pag. 394, nämlich: „Jo-