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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
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§. i. Seine Logik.

nari, & pure intelligere” '), sondern nur zwei, den „intelleetus” unddie „imaginatio”, indem er das Wahrnehmen mittelst der Sinne unter„imaginari” begreift.

Die zweite Abtheilung der „Pars secunda” behandelt die schwie-rigere Frage, wie Neues entdeckt werde. Dies soll, wie im Obigenerörtert wurde, dadurch geschehen, dass wir erst Definitionen, dannAxiome und endlich Theoreme bilden, und zwar giebt Tschirnhausdarüber, wie die ersteren, die Definitionen, zu finden sein, drei Pe-geln, welche er erläutert. Gleichwohl scheint mir die erste derselben,sowie die Erklärung einigermassen dunkel zu sein, namentlich da-durch, dass hier unter „imaginari” etwas anderes, als im Vorher-gehenden verstanden und eine doppelte Art der Erkenntniss mitdemselben Worte bezeichnet wird, nämlich sowohl eine solche, beiwelcher unser Geist activ, als eine solche, bei welcher er passiv sichverhält. Auch die übrigen Kegeln dürften sich nur in mathemati-schen Dingen (in entibus rationalibus) und zwar speziell in Geometrieals anwendbar beweisen, wie denn auch geometrische Vorstellungenbei Abfassung derselben zu Grunde gelegen zu haben scheinen. Dochauch diese sind nicht ganz rein geblieben. Denn, indem Tschirn-haus den richtigen Satz aufstellt, jede Definition müsse die „generatio”enthalten, kommt er, indem er sich dieselbe als einen stetigen Prozessvorstellt, auf den Begriff der Bewegung, welchen er mit den Ele-menten der entia rationalia, nämlich mit Punkt, Gerade und Curven(s. pag. 34) in Verbindung setzt; zugleich aber erklärt er Kühe undBewegung auch als Elemente der entia realia (s pag. 34), so dasshiernach ein Element der entia realia, nämlich Bewegung (und inEolge dessen auch Kühe), mit den Elementen der entia rationalia,nämlich Punkt, Linie, Curve, combinirt erscheint und die geometri-schen Vorstellungen mit anderen vermengt werden, wobei auch nochdie Frage entsteht, ob, da jede Definition die generatio enthaltensoll, diese aber im Werden besteht, und jedes Werden eine Bewegungist, letztere als ein Element nur der entia realia und nicht auchder imaginabilia und rationalia anzusehen ist. Abgesehen von dieserUnzulänglichkeit lassen sich die zweite und dritte Kegel auf dieentia rationalia wohl anwenden, wie dies aber bei den imaginabilibusund realibus möglich sein soll, dürfte schwer zu entscheiden sein.Und in der That hat auch schon Christian Wolf, vermuthlich ausähnlichen Gründen, die Frage, wie die Definitionen zu finden sein,als eine von Tschirnhaus nicht hinlänglich gelöste betrachtet * 2 ). Da

') Prmcipiorum philosopliiae pars prima, pag. 9: „Quippe omnes modi cogi-tandi, quos in nobis experimur, ad duos generales referri possunt: quorum unusest, perceptio sive operatio intelleetus; alius verb, volitio sive operatio yoluntatis.Nam sentire, imaginari, & purb intelligere, sunt tantiira diversi modi pereipiendi;ut & cupere, aversari, affirmare, negare, dubitare, sunt diversi modi volendi”.

2 ) In Gerhardt’s: „Leibnizens mathematische Schriften. Band IV”, pag, 422.Anmerkung finden wir (nach "Wolf’s eigener Lebensbeschreibung, herausgegebenvon H. Wuttke. S. 123 f.) folgende Worte Wolfs: „Ich reisete auf die Oster-Messe A. 1705 (oder nach Gerhardt 1703) nach Leipzig, um daselbst den Herrn