Buch 
Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
Entstehung
Seite
194
JPEG-Download
 

194 §. 13. Seine Schleif- und Polirwerke; Porzellan; Rechenmaschine.

den Augen der Neugierigen ausgestellt gewesen. Hieher gehörtauch die bereits pag. 10 citirte Stelle 1 2 ): „vermeine auch speciminagenug hierdurch geliefert zu haben, indem Gläser von 1 '/ 2 bis3 Centner schwere zu perfecten lentibus sphaericis fabriciret, davoneines in Leipzig bei Hrn. George Bosse, einem Kauffman, zu sehen”-Endlich schreibt Tschirnhaus noch in den Act. Erudit. Mensis Octo-bris 1699, pag. 445 a ): „Effeetus singuläres lentis opticae ad Te-lescopia, per D. T.” (s. pag. 191), in Bezug auf die in den ActErudit. 1696, pag. 345, gemachten Mittheilungen, er habe seit dieserZeit andere Gläser für Spiegel gemacht, sieben Fuss lang, fünfFussbreit und einen Daumen dick, und er vermöge noch grössere an-zufertigen. Auch ist jetzt sein früherer Wunsch in Erfüllung ge-gangen, denn er schreibt; „Horum omnium veritatem certitudinemqueedoctus Poteutissimus Ilex Poloniarum, Dominus noster Clementissi-mus, sub auspiciis Serenissimi Vicarii Electoralis, Principis Fursten-bergii, prope Dresdam, Electoratus Saxonici metropolim, officinamvitriariam extrui curavit, quae omnibus numeris absoluta, quibus-cunq. & quantumcunque magnis vitris parandis ex amussim sufficit”-Da die Gläser zu gross waren, als dass sie von Menschenhändenhätten regiert werden können, habe er eine Maschine erfunden,mittelst welcher den Gläsern jede Gestalt, eben, convex, concav,gegeben werden könne, und welche sie eben so leicht schleife, glätteund polire („tereret, laevigaret, poliret”). Mit dieser Maschine habeer z. B. aus einem Glase, dessen Durchmesser Anfangs zwei Fuss,und, nachdem es Schaden gelitten, über einen Rheinischen Fuss ge-wesen sei, eine convexe Linse von zwei und dreissig Fuss Brenn-weite angefertigt, und zwar sei die Arbeit ohne Tadel („exaetissimaeperfectionis”) gewesen. Ebenso leicht würde er aber auch aus dem-selben Glase eine Linse von vier und sechzig Fuss Brennweite haben ,hersteilen können. Dass Tschirnhaus ausser diesem, von der Re-gierung unterhaltenen Schleif- und Polirwerk, auch auf eigene Kostensolche wahrscheinlich hat einrichten lassen, ist bereits auf pag. 9erwähnt worden. — Hieher gehört ferner noch die Bemerkung, dassTschirnhaus auch die Herstellung eines schönen Rubinglases gelungenwar, welches noch jetzt gesucht und theuer bezahlt wird 3 * * * * * * * ).

') Gerhardt: „Leihnizens mathematische Schriften”. Band IV. „Tschirnhausan Leibniz. Kiosslingswalda d. 8. Martii 1698.” Pag. 533.

2 ) Bemerkt mag hiebei noch werden, dass dies der letzte in den Act. Erudit.sich ündendo Aufsatz Tschirnhausens ist.

3 ) Diese Mittheilung finde ich in einem mir soeben zufällig in die Händefallendeu Jugendschriftchen von Gustav Nieritz: „Der Goldkoch oder: Die Erfindung

des Porzellans. Nach geschichtlichen Quellen. 1862,” pag. 96, welches ich wegen

des hieher gehörigen Inhalts, sowie wegen des Zusatzes: „Nach geschichtlichen

Quellen”, und weil der Verfasser in Dresden lebt, also manches von Tschirnhaus

wissen kann, gelesen habe. Die den hauptsächlichsten Inhalt ausmachendeLebensbeschreibung Böttcher’s (oder hier „Böttgers”) st imm t, im Wesentlichen mit

der auf pag. 10 und 11 gegebenen überein, nur dass höchst auffallender Weis®

der Kurfürst von Brandenburg oder König von Preussen, der Böttcher verfolge 11

liess, „Friedrich Wilhelm II., der Vater von dem grossen Friedrich II.”, genannt

wird, statt Friedrich III. oder Friedrich I. (s. pag. 4l).