§■ 13 . Seine Sclileif- und Polirworke; Porzellan; Beclienmaseliine. 195
Von dem Antheile, welchen Tsehirnhaus an der Erfindung dosPorzellans hat, ist bereits oben (s. pag. 10 und 11) gehandelt worden.Doch scheint es fast, als habe, noch bevor Böttcher dasselbe ver-fertigte, Tsehirnhaus wenigstens etwas Aehnliches zu Stande ge-bracht. Wie nämlich bereits pag. 10, Anmerkung 3)), berichtetward und wie aus dem Briefwechsel mit Leibniz hervorgeht, be-schäftigte auch er sich mit Chemie, und es liegt die Vermuthungnicht fern, dass er, da Chemie und Alchymie damals fast unzertrenn-lich und identisch waren, versucht habe, Gold oder Edelsteine zumachen. Ersteres wird direkt von Nieritz behauptet, welcher an der(unter pag. 193, Aum. 3)) angeführten Stello sagt: „Tschirnhausen wardu recht begüterter Graf, der sich viel mit den Naturwissenschaften,vorzüglich mit Optik, beschäftigte, im Verfertigen von BrennsjnegelnUi) d chemischen Zusammensetzungen berühmt war und auch Ver-suche in der damals wie ein ansteckendes Eieber verbreiteten Tingir-kunst oder Goldmacherei angestellt hatte. Natürlich war ihm dasDoldmachen nicht gelungen, dagegen das Herstellen eines schönenPubinglases, das noch jetzt gesucht und theuer bezahlt wird”. Aufden letzteren Gedanken, dass Tsehirnhaus auch Diamanten, etwadurch Schmelzen von allerlei Stoffen mittelst ciues Brennspiegols,zu bereiten versucht habe, bringt mich eine Anfrage, die Leibniz inmnem Briefe (.von 1698 —1700) an ihn richtete 1 ): „Wie gehts wei-® r mit ihren edelen steinen eine Anfrage, die weder mit demübrigen Theile desselben Briefes, zu welchem sie das „P. S.” bildet,u°ch mit einer früheren Bemerkung Leibnizens an Tsehirnhaus 2 ):„Boyle hat probirt, dass Edelsteine, sonderlich Diamanten, eine starkevim Electricam haben, er hält es vor eine der höchsten Proben. Habees erwehnen wollen umb darauff zu doucken”, in Zusammenhang zust ehen scheint. Ferner schreibt Leibniz bereits im Jahre 1694 anTsehirnhaus • ,H. Hm methodus mit den Brenngläsern ist sehr guthP r o initio fundi. Stockte etwas bey dem: hic Plato requiesccre jubet,80 sie bey der mentione des diamanten angehänget, wäre es nochbesser pro hominum captu”. Jedenfalls geht soviel hieraus hervor,dass zwischen Leibniz und Tsehirnhaus etwas von Diamanten ver-handelt worden, und da die letztgenannte Stelle sich in einem Briefefindet, welcher von der Einrichtung einer Akademie der Wissen-schaften in Deutschland und von den Wegen handelt, wie die Mitteldazu zu beschaffen sein, und da Leibniz und Tsehirnhaus glaubten,dass durch recht auffallende und merkwürdige, nebenbei auch Ge-winn verheissendo, Bosultate der Wissenschaft die Menschen amer sten zu einer Beisteuer bestimmt würden, so wüsste ich allerdingskein besseres, auf die Vorstellungen gewöhnlicher Menschon („prohominum captu”) berechnetes Mittel, ein Anfangskapital zusammen-
1) Gerhardt: „Leibnizens mathematische Schriften". Band IV, pag. 535.
2 ) Ebendaselbst, pag. 529.
3 ) Ebendaselbst, pag. 526.
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