196 §. 13. Seine Schloif- und Polirwerko; Porzellan; Rechenmaschine.
Hilbringen („pro initio fundi”), als wenn Tseliimhaus mit seinen Brenn-gläsem hätte Edelsteine darstellen können: Einen bestimmten Beireisfür meine Yermuthung, dass er dies erstrebt habe, vermag ich freilichnicht zu geben, da diese Sache etwas geheimnissvoll behandelt wird,aus dem Zusammenhang aber scheint mir hervorzugehen, dass es sichso verhalten habe. Freilich ist die Herstellung von Edelsteinennicht gelungen. Dagegen muss Tschimhaus bei seinen Versuchenmit dem Brennspiegel, der ja auch von Böttcher zur Bereitung desPorzellans angewandt .wurde (s. pag. 1 1), eine Porzellan-artige Massehervorgebracht haben. Denn Leibniz schreibt unter dem „20. Octo-bor 1694” an Tschirnhaus '): „Dürfte ich wohl umb ein stückgeuvon ihren mit dem Brennglas geschmolzenen poreellan bitten, darauffangeÜogen gold, dabey man siehet wie es gleichwohl dem glass diefärbe mittheilet. Von dem artificiali möchte auch eine probe wünd-schen, zumahl wenn man etwas darauff machen köndte, darauff zusehen, dass er Europaeisch, wie auch Hr. Settala * 2 ) gethan habensoll. Hätte wohl auch umb eines von den schöhnen weissen Kiigel-gen bitten mögen, habe aber dessen fast bedencken und stelle csalles in Dero gefallen”. Ebenso schreibt Leibniz (um 1704 oder 1705)an Tschirnhaus 3 ): „Ecrivant maintenant ä la Heine de Prusse parla poste qui part avant midy, et luy parlant de vos helles pierres,capablcs de garnir un cabinct, il m’est venu dans l’esprit, de vousdemander, Monsieur, si vous me pourries peutestre marquer quel-ques particularites, pour savoir, si on en a ä vendre et ä quel prixpour en informer sa Majeste”. Obschon wir nicht erfahren, welcherArt das „poreellan” und die „schöhnen weissen Kugel gen” waren,deren Leibniz erwähnt, und obschon derselbe allerdings von „ge-schmolzenem”, nicht von „durch Schmelzen irgend einer Masse lior-gestelltem” Porzellan spricht, so scheint mir doch Alles darauf hin-zudeuton, dass Tschirnhaus durch Schmelzen mit dem Brennspicgcleine Porzellan - artige Masse oder Kügelchen hervorgebracht habe,und, wer weiss, ob er nicht die Bereitung des Porzellans erfundenhätte, wenn er nicht seine Gedanken darauf gerichtet hätte, — Edel-steine horvorzubringen. Durch das Zustandebringen von „belles pierres,capablos de garnir un cabinet” mochte er sich hiezu auf dem rechtenWege glauben. Die zwar geringeren, aber sichereren Gewinn bringendeErfindung des Porzellans aber blieb auf dieser Weise Böttcher Vor-behalten. Keinenfalls aber dürfen Tschirnhaus alchymistische Ver-suche zum Vorwurf gereichen, denn auch die aufgeklärtesten Männerder damaligen Zeit befassten sich mit solchen, und selbst Leibnizwar eine Zeit lang Sekretär einer alchymistischen Gesellschaft ioNürnberg 4 ).
') Gerhardt; „Leibnizens mathematische Schriften”. Band IV, pag. 527.
2 ) Vermuthlich derselbe Septala, dessen Christian Wolf in seinen „Element#mathescos universae” gedenkt (s. pag. 187).
3 ) Gerhardt; „Leibnizens mathematische Schriften”. Band IV, pag. 538.
1 ) Gerhardt: „Die Entdeckung der Differenzialrechnung durch Leibniz. Hallo,bei H. W. Schmidt. 1848”, pag. 19, Anmorkung.