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Lebensbeschreibung des Ehrenfr. Walther v. Tschirnhaus auf Kiesslingswalde und Würdigung seiner Verdienste : mit einem Vorwort über Prof. J.A. Grunert als Preisrichter / von Dr. Hermann Weissenborn
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§. 16 . Schluss.

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wir lesen (s. pag. 202), dass er denselben trotz der früher gegenihn gehegten Erbitterung als Mitglied einer zu errichtenden Aka-demie nach Leipzig zu ziehen beabsichtigte. Indem -wir hier nurnochmals darauf hindeuten, dass selbst in der damaligen Zeit seinin seine jüngeren Jahre fallendes Streben, eine Pension vom Königvon Frankreich zu erhalten, übel vermerkt ward (s. pag. 8), müssenwir hier noch eines Charakterzuges gedenken, der wohl die meisten,welche seine Werke und Schriften lesen, unangenehm berühren dürfte.Wir meinen eine gewisse Ruhmredigkeit und Selbstgefälligkeit. Denn,Wenn auch Selbstbewusstsein und Würde einem Manne wohl anstehtu nd wenn auch damals es minder auffallend sein mochte als jetzt,sein eigener Lobredner zu sein, so scheint uns doch, wir müssen esgestehen, Tsehirnhaus die Grenze auch des damals Erlaubten zuüberschreiten, wenn er in jeder seiner Abhandlungen eine Erfindungoder Entdeckung als von der höchsten Wichtigkeit anpreist, währenddie versprochene Mittheilung der betreffenden Methode dann nichtselten ausbleibt (s. pag. 128, 147 ), oder sich zeigt, dass sie dochnicht den Grad von Allgemeinheit besitzt, den man nach Aeusse-i’ungen erwarten muss.

Was seine Erfindungen und Entdeckungen, sowie seine Leistungenüberhaupt betrifft, so ist nicht zu leugnen, dass seine Gedanken fastnHe den Charakter des Umfassenden und Universellen tragen. Me-thoden zu finden, durch welche ganze Classen von öfters sehr schwie-rigen Aufgaben mit einem Schlage gelöst würden, und durch welcheüber Gebiete, auf denen sich die namhaftesten bisherigen Mathe-matiker vergebens versucht hatten, Licht verbreitet würde, waraugenscheinlich sein hauptsächlichstes Bestreben. In der That gross-ar tig würden seine Leistungen sein, wenn sich alles so verhielte,wie Tsehirnhaus glaubte. Wir besässen dann ein Verfahren, mit-Leichtigkeit zu entscheiden, ob eine Curve quadrirbar sei oder nicht,u ud im ersteren Falle ihre Quadratur zu finden, und zwar auf einemvon der Theorie des Unendlichkleinen unabhängigem Wege t wir ver-möchten einen Flächenraum durch eine Curve in gegebenem Ver-liältniss zu thcilen, auf einer Curve Stücke abzuschneiden, derenLänge in gegebenem Verliältniss stände, könnten Gleichungen jedenGrades auflösen u. a. Leider aber ging Tsehirnhaus nicht seltenviel zu schnell vor, seine lebhafte Phantasie und vielleicht auchMangel an Geduld, der ihn abhielt sich mit speziellen, allerdingsöfter mühsamen, aber durchaus nothwendigen, Untersuchungen zubeschäftigen, liess ihn in vielen Dingen die Schwierigkeiten, die sichim Einzelnen bieten, übersehen und, alle Zwischenglieder über-springend , aus einem allerdings oft originellen und geistreichenGrundgedanken Resultate ziehen, die, so überraschend und glaubhaftsie auch auf den ersten Anblick waren, doch einer genauer ein-gehenden Untersuchung nicht Stich hielten. Nicht unpassend könnteman daher auf ihn den bekannten Ausspruch anwenden, welchenFriedrich der Grosse über Joseph II. that: „Er thut den zweiten