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Botanik.
zugleich auch die Leistungen des Letztem in der Pflanzenkunde beurtheilen lernen.In beiden Werken werden die Pflanzen hauptsächlich in ihrer Beziehung zumAckerbaue und zu der Hauswirthschaft, seltener mit Berücksichtigung ihrer Heilkräftebetrachtet, wobei aber keine systematische Ordnung befolgt ist und die Beschrei-bungen entweder ganz fehlen oder so mangelhaft sind, daß die von Theophrastgenannten Pflanzen sehr schwer, zum Theil gar nicht zu errathen sind. Eskommen bei ihm kaum 400 Pflanzen vor, von welchen er, da sie in Griechen-land Jedermann kannte, eine Beschreibung für überflüssig hielt. Bedenkt manaber, daß ihm bei seiner Anatomie das Mikroskop, bei seiner Physiologie diephysikalischen und chemischen Versuche fehlten, daß überhaupt bei ihm diePflanzenkunde auf der ersten Entwickelungsstufe stand, so wird man ihm dieMancherlei Irrthümer und fabelhaften, auf Hörensagen gegebenen Erzählungenzu Gute halten, um so mehr, da er auch eine Menge richtiger Beobachtungenund treffender Erklärungen gibt und seine Werke durch die harmonische Ver-knüpfung aller Theile zum Ganzen und des Ganzen mit den Nachbargebietenheute noch zum Muster für die Behandlung ihres Gegenstandes dienen können.Theophrast hatte auch schon, um die Erscheinungen an den Pflanzen zu jederZeit beobachten zu können, einen Pflanz engarten angelegt, welchen er bei seinemTode seiner Schule, als Fideicommiß, vermachte.
Mit Aristoteles und Theophrast ging aber der erste Sonnenblickder wissenschaftlichen Pflanzenkunde wieder unter. Während andere Zweige desWissens bei den späteren Griechen, den Römern und selbst bei den Arabernnoch eine Zeit lang fortblühten, hörte die Botanik als Wissenschaft ganz wiederauf. Die vielen Gelehrten, welche unter den Ptolemäern in Alexandrien, durchdie von diesen Herrschern angelegten großen Büchersammlungen angezogen, diebekannte alexandrinische Schule (vom Jahr 332 — 30 v. Chr.) bildeten, beschäf-tigten sich nur mit der Auslegung und grammatischen Erklärung der Werke derAlten und versäumten darüber gänzlich die Beobachtung der Natur. Wo manaber auch anderwärts die Pflanzen in der Natur selbst untersuchte, geschahdieses nur in der eingeschränkten Beziehung auf ihre verschiedene Benutzung,vorzüglich in der Arzneikunde und zur Erforschung ihrer Wirkungen. So pflanztez. B. der König Attalus Philometor von Pergamus in seiner Burg ver-schiedene giftige Gewächse, deren Kräfte er an Verbrechern versuchte, und ebenso baute Mithridates Eupator, auch der Große genannt (vom Jahr 136bis 63 v. Chr. lebend), eine Menge giftiger Pflanzen und zugleich deren Gegen-gifte, deren Wirkungen er an sich selbst prüfte, wie er selbst seine gefährlicheKenntniß an einem seiner eigenen verrätherischeu Söhne, dem Ariarathes, an-wandte, den er vergiftete. Auch die Römer, auf welche nach der Besiegungder Griechen die Kenntnisse der Ueberwundenen übergingen und die, wie Strabotreffend bemerkt, in der Wissenschaft, „was sie sagen, von den Griechen ent-lehnen und aus sich selbst wenig Wissenswürdiges vorbringen", thaten Nichtszur Förderüng der Pflanzenkunde/ In den Werken ihrer Schriftsteller, welchesich mit den Pflanzen beschäftigten, wie des Marcus Portius Cato, desCensors (239 —149 v. Chr.), des Marcus Terentius Varro, des PubliusVirgilius Maro (beide im letzten Jahrhunderte v. Chr.), des L. JuniusModeratus Columella (um die Mitte des ersten Jahrhunderts nach Chr. Geb.)u. A. wird der Pflanzen nur gedacht in so fern sie für den Ackerbau, die Land-wirthschaft und den von den Römern vorzüglich geliebten Gartenbau von Interessewaren. Selbst der gelehrte Casus Plinius Secundus, der Aeltere zuge-nannt, aus Verona (vom Jahr 23—79 n. Chr. Geb. lebend) — unter NeroAugur, unter Vespasian Procurator in Spanien und zuletzt Anführer der Flotte