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Botanik.
die königl. Gesellschaft der Wissenschaften unter Carl H. (1663), in Frankreich dieAkademie der Wissenschaften, durch den Minister Colbert, unter Ludwig XIV.(1665), in Deutschland eine durch mehrere Aerzte in Schweinfurt (1652) ge-gründete naturforschende Gesellschaft, welche von Leopold I. (1677) zu einer kaiser-lichen Akademie erhoben wurde und noch jetzt als kaiserl. Leopoldinisch-CarolinischeAkademie der Naturforscher in blühendem Zustande fortbesteht.
Wenn hier auch nur die wichtigsten Leistungen für die specielle Botanik flüchtigangedeutet werden konnten, so ist doch daraus schon zu entnehmen, daß auch jetztnoch die Bestrebungen der meisten Forscher nur aus das Sammeln und damit ausdie Vermehrung der bloß äußerlichen Kenntniß der Pflanzen gerichtet waren.Bei der Schwierigkeit des allgemeinen Verkehres, wegen Mangels regelmäßigerPostverbindungen, war in jener Zeit ein gegenseitiger Austausch von Erfahrungenund Ideen unter den Gelehrten nicht leicht möglich; es stand Jeder mehr fürsich allein, und daraus entsprang ein Mangel an Uebereinstimmung in der Be-schreibung, besonders aber in der Benennung der Pflanzen, welcher das Studiumderselben täglich mehr erschwerte und in die Wissenschaft die größte Verwirrungzu bringen drohte. Daher wurde bald die Nothwendigkeit einer Sichtung der sichstets mehr anhäufenden Masse des Bekannten fühlbar. Die ersten Versuche dazumachten die beiden Brüder Bau hin. Der ältere, Jean Bau hin, zu Lyon(1541) geboren, ein Schüler von Leonh. Fuchs, ein Freund und steter Reise-gefährte von Konrad Gesner, mit welchem er das südliche Frankreich, Italienund die Schweiz durchforschte, zuletzt Leibarzt des Herzogs von Württemberg zuMömpelgard, wo er (im Jahre 1611) starb, arbeitete fast ein halbes Jahrhun-dert an seiner „allgemeinen Pflanzen-Historie", einem großen Sammelwerke, woriner alle damals bekannten Pflanzen, besser wie bisher geordnet und mit einer be-richtigten Synonymst versehen, genauer als seine Vorgänger beschrieb, welchesaber — wie auch ein gemeinschaftlich mit seinem Schwiegersöhne, JeanHenri Cherler, bearbeiteter Vorläufer dieses Werkes schon früher(im Jahre 1619) durch den eben Genannten — erst nach seinem Tode (imJahre 1651) durch Dominic Chabrä, Arzt zu Jferten, im Drucke heraus-gegeben wurde. Der jüngere Bruder, Caspar Bau hin (im Jahre 1560) zuBasel geboren, wo er auch als Professor der Anatomie und Botanik (im Jahre1624) starb, bereifte ebenfalls einen bedeutenden Theil von Europa, beobachtetedie Pflanzen fleißig in der Natur und verglich dieselben mit den Beschreibungender Autoren; er veranlaßte ferner mehrere junge Mediciner, in Frankreich undItalien für ihn zu sammeln, stand in Briefwechsel mit den meisten namhaftenBotanikern keiner Zeit und besaß schon eine getrocknete Sammlung von mehrals 4000 Pflanzen. Unterstützt von solchen Hilfsmitteln, bei seiner ausgezeich-neten Gelehrsamkeit und seinem unermüdlichen Fleiße, unternahm er eine Zu-sammenstellung aller bisher bekannten Pflanzen, mit Angabe der verschiedenenNamen, unter denen sie bei seinen Vorgängern vorkommen, wodurch sie alsSchlüssel zu allen botanischen Schriften, von TheophrastuS bis auf seine Zeitdienen sollte. In diesem im Jahre 1623 zuerst erschienenen Verzeichnisse oder„Pinax", wie er es nannte, stellte er die Pflanzen nach ihrer Aehnlichkeit imäußern Ansehen in, Gruppen (von ihm xonsru genannt) zusammen, um dieUebersicht zu erleichtern, und setzte jeder dieser Gruppen einen gemeinschaftlichenNamen vor. Dieß ist ein erster, freilich noch roher Versuch, eine mehr metho-dische Ordnung, als bisher geschehen, in die Schriften einzuführen. SeinePflanzennamen blieben länger als ein Jahrhundert im Gebrauche, und manchedavon hat Linnö sogar beibehalten.
Durch der beiden Bauhin Bemühen um die Nomenclatur war zwar