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Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
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Botanik.

leicht für verschiedene Arten halten könnte, wie unter Anderen die des Quendels oderFeld-Thymians tll'livmus Lorpxllmn) oder des Wechselknöterichs (kolvMnum.ninpkibiurn), von welchen zumal die Individuen des Letztem in ihrer ganzen Trachtvon einander abweichen, je nachdem sie im Wasser oder auf dem trockenen Uferlandestehen.

Die Verbreit nngsbezirke der Pflanzen sind hauptsächlich von der Be-schaffenheit des Klima's abhängig. Da das Klima vorzüglich durch die Vertheilungder Wärme aus der Erdoberfläche bedingt ist und diese mit der geographischenBreite, so wie mit der Erhebung über die Meeresfläche in nächster Beziehung steht,so wird sich im Allgemeinen die Verbreitung der Pflanzen einerseits nach den in derphysischen Geographie angenommenen Zonen der nördlichen und südlichen Erdhälfte,andererseits nach der verschiedenen Höhe richten, welche ihre Standorte über demMeere einnehmen. Hiernach erhalten wir eine doppelte Ausdehnung für die Ver-breitungsbezirke, nämlich eine horizontale nach Zonen und eine verticale nach derErhebung über den Meeresspiegel oder nach Regionen. Nach der horizontalenAusdehnung lassen sich (mit Meyen), außer einer mittlern, von dem Aequator inzwei gleiche Hälften getheilten Zone, für jede Halbkugel der Erde noch 7 verschie-dene Zonen annehmen, nämlich: 1) eine Aequatorial-Zone, auf beiden Seitendes Aequators zwischen 0 und 15°, mit einer mittlern Temperatur von -j- 26 bis28° C., enthält hauptsächlich die aus riesenhaften Bäumen der verschiedensten Artbestehenden, mit einer Menge von Schlingstränchern durchflochtenen, undurchdringlichenUrwälder und besitzt überhaupt den größten Reichthum und rie größte Mannigfaltigkeitder Pflanzenwelt; 2) zwei tropische Zonen, zwischen 15 und 23o der nördl.und südl. Br., also ungefähr bis zu den Wendekreisen reichend, mit einer mittlernTemperatur von -j- 23 bis 26 ° C., sind ebenfalls noch durch einen großen Pflan-zenreichthum ausgezeichnet, wo nicht weit ausgedehnte Wüsten, wie in Afrika diesüdliche Sahara, der Vegetation ein Ziel setzen, und haben Palmen, Bananen,Scitamineen, baumartige Farne und viele andere Familien, besonders auch an denMeeresküsten die Mangle- und Mangrove-Wälder (aus RbiLopborn- und^vioennia-Arten bestehend), noch mit der vorigen Zone gemein; 3) zwei subtropischeZonen, zwischen 23 und 34 °, mit einer mittlern Temperatur von -j- 17 bis 21 ° C-,besitzen ebenfalls noch verschiedene Palmen, Bananen und andere an die vorher-gehenden Zonen erinnernde Gewächse, doch kommt der Vegetations - Charakter zumTheil auch schon dem der folgenden nahe; 4) zwei wärmere gemäßigte Zonen,zwischen 34 und 45", mit einer mittlern Temperatur von -j- 12 bis 17" C., derennördliche in der alten Welt das südliche Europa (Portugal und Spanien, Süd-frankreich, Italien, die Türkei und Grieckenland) enthält, und noch durch Bäumeund Sträucher mit immergrünen lederigen Blättern und Dornen ausgezeichnet ist,jedoch auch schon viele blattwechselnde Laubhölzer besitzt, dabei besonders reich anLabiaten, Sileneen und Cistineen, dagegen noch arm an Wiesen erscheint; 5) zweikältere gemäßigte Zonen, zwischen 45 und 58°, mit einer mittlern Tempe-ratur von -s- 6 bis 12 ° C., in deren nördliche unter andern der mittlere Theil vonEuropa (das größte Stück von Frankreich, Großbritannien, Deutschland, dieSchweiz, Holland, Dänemark, das südliche Schweden und die südliche Hälfte Ruß-lands) fällt, wo besonders die Laubwälder aus Buchen, neben größeren Nadel-wäldern , ferner große Strecken mit der gemeinen Haide (Onlluna b!riea) bewachsen,ausgedehnte Wiesen, zahlreiche Dolden-Pflanzen und Krenz-Biüthler, als charakte-ristisch für die Flora hervortreten; 6) zwei subarktische Zonen, zwischen 58und 66° oder fast bis zu den Polar-Kreisen sich erstreckend, mit einer mittlernTemperatur von -s- 4 bis 6 ° C., wovon die nördliche in Europa die Färöer, Island,Norwegen, den größten Tbeil von Schweden, Finland und das größte Stück der