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Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
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Pflanzen - Geographie.

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nördlichen Halste Rußland's umfaßt und durch das Vorherrschen der Nadelhölzer,Birken und Weiden sich auszeichnet, wobei auch noch ausgedehnte Haiden undWiesen, dabei aber schon große mit Flechten und Moosen überdeckte Strecken auf-treten und die Vegetation überhaupt, bei der Armuth an Arten, deren Individuenmeist große Striche einnehmen, eine große Einförmigkeit zeigt; 7) zwei arktischeZonen, zwischen 66 und 72°, mit einer mittlern Temperatur von st-2° C.,deren nördliche von Europa nur Lappland und das nördlichste Rußland enthält,welche eine mit den übrigen in diese Zone fallenden Strichen der alten und neuenWelt ziemlich übereinstimmende Vegetation besitzen: der Baumwuchs verschwindetund mit ihm der Anbau des Getreides und anderer Cultur-Pflanzen, niedrigeSträucher und perennirende Gewächse herrschen vor, Moose und Flechten, darunterzumal die Rennthier-Flechte, überziehen ausgedehnte Strecken; 8) zwei Polar-Zonen, zwischen 72 und 90°, mit einer mittlern Temperatur von 16° C.,wovon nur die nördliche in pflanzengeographischer Hinsicht in Betracht kommt: sieumfaßt Spitzbergen, Nowaja Semlja, das nördlichste Sibirien und den höchstenNorden von Amerika und besitzt eine fast durchaus gleiche Flora, ohne Bäume undSträucher, aus kleinen, rasenbildenden Pflanzen mit kriechenden Wurzelstöcken undmeist großen Blüthen bestehend, arm an Gattungen, Arten und Individuen, aberdennoch wegen der häusig bunt untereinander gemischten Arten nicht die große Ein-förmigkeit, wie in der vorhergehenden Zone, darbietend.

Nach der verticalen Ausdehnung oder der an den Gebirgen aufsteigenden Ver-breitung der Pflanzen lassen sich, den acht Zonen jeder Erdhälfte entsprechend, (nachMey en) eben so viele Regionen unterscheiden, da sich beim Aufsteigen aus derEbene bis zur ewigen Schneegrenze der Gebirge eine ähnliche Verschiedenheit inden Temperatur-Verhältnissen und in dem Vegetations-Charakter zeigt, wie solchein den verschiedenen Zonen, von dem Breitengrade an, unter welchem ein Gebirgeliegt, bis zu den Polen hin, beobachtet wird. Von der Wahrnehmung ausgehend,daß die Schneegrenze in jeder der 8 Zonen einer Erdhälste, von der Polar-Zoneaus, gegen den Aequator hin um 1800 bis 2000 Fuß höher an den Gebirgenhinaufrückt, hat Meyen für jede der 8 Regionen eine Höhe von 1900 Fuß ange-nommen. Diese sind: 1) die Region der Palmen und Bananen, beginnt inder der Meeresküste gleichen Ebene und steigt bis zu einer Höhe von 1900 Fußhinan, hat eine mittlere Temperatur von st- 27 bis 30° C., und ihre Vegetationfällt mit jener der Aequatorial-Zone zusammen, in welcher allein auch diese Regionvorkommt; 2) die Region der Baum-Farne und Feigen, von 19003800Fuß, mittlerer Temperatur st-23, 5 ° C., entspricht der tropischen Zone, derenunterste Berg-Region sie bildet, während sie in der Aeqnatorial-Zone über dervorhergehenden Region liegt; 3) die Region der Myrten und Lorbeeren,von 38005700 Fuß, mittlerer Temperatur st- 20 bis 21 ° C., der subtropischenZone entsprechend und in dieser, wie auch die folgenden in jeder ihnen entsprechendenZone, die unterste Region bildend; 4) die Region der immergrünen Laub-hölzer, von 57007600 Fuß, mittlerer Temperatur -s- 17° C-, die Vegetationjener der wärmern gemäßigten Zone entsprechend ; 5) die Region der europäi-schen (jährlich sich entlaubenden) Laubhölzer, von 76009500 Fuß, mittlererTemperatur st- 14° C., entspricht der kältern gemäßigten Zone; 6) die Regionder Nadelhölzer, von 950011,400 Fuß, mit einer mittlern Temperaturvon st- 11° C. und einer der subarktischen Zone entsprechenden Vegetation; 7) dieRegion der Alpensträucher, von 11,40013,300 Fuß, mittlerer Temperaturvon st- 7° C., auch untere Alpen-Region genannt, entspricht der arktischenZone in.dem Mangel aller Baum-Vegetation und dem bloßen Vorkommen vonSträuchern, neben ausdauernden krautigen Pflanzen; 8) die Region der Alpen-