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Botanik.
Hypothesen vorgebracht werden, sind doch nicht geeignet, die für die entgegen-gesetzte Ansicht sprechenden zu entkräften.
Mit dem zweiten großen Zeitraume, der von der Erschaffung desMenschen bis in die neuere Zeit reicht und noch nicht abgeschlossen ist, mußauch wieder eine neue vegetabilische Schöpfung stattgefunden haben, die zwarmit der zuletzt untergegangenen manche Aehnlichkeit zeigt, da sie zum Theildieselben Gattungen besitzt, aber doch darin abweicht, daß nicht eine derjetzt lebenden Arten mit denen der vorhergehenden Bildungs-Periode identischzu sein scheint. Wie lange bereits der gegenwärtige Zeitraum dauere und seinePflanzenwelt bestehe, ist nicht auszumitteln, da uns die Angaben über diewahre Zeit seines Anfanges abgehen. Indessen weisen schon die ältesten histo-rischen Denkmäler des Menschengeschlechtes mit Gewißheit auf eine Dauer vonmehreren Jahrtausenden zurück, welchen vielleicht eine eben so große oder nochgrößere Reihe von Jahren seit dem Beginne dieses Zeitraumes vorangingen.
Ueberblicken wir die natürlichen Verbreitungsbezirke der Pflanzen, zumalso weit sie durch die klimatischen Verhältnisse bestimmt sind, so sehen wir unszu der Annahme gezwungen, daß die Vegetation der jetzigen Bildungs-Periodegleich von Anfang an über alle dem Pflanzenwachsthume günstigen Stellen derErdoberfläche ausgebreitet war, und daß die Pflanzen nicht von einem einzigenoder von wenigen Punkten aus sich über die ganze Erde verbreitet haben können.Aus der Eigenthümlichkeit der Vegetation auf den Inseln, die, je entferntersie von den Kontinenten sind, um so weniger Pflanzen mit diesen gemein haben,wollten Manche auch in neuerer Zeit wieder den Schluß ziehen, daß solcheInseln die einstigen Mittelpunkte specieller Floren-Gebiete gewesen seien, diesich mit deren Ausdehnung zu Kontinenten allmälig erweitert hätten, und end-lich mit einander zusammengeflossen seien. Aber gerade diese Eigenthümlichkeitmancher Insel-Floren könnte auch zum Beweise des Gegentheiles angeführt wer-den, daß nämlich die verschiedensten Punkte der Erde, je nach den klimatischenund Bodenverhältnissen, die ihnen angemessene Vegetation von Ansang an er-halten haben. Die Frage, ob die ersten Pflanzen sogleich in ihrem ausgebilde-ten Zustande vorhanden waren, oder ob die Macht des Schöpfers dieselben ausvorher gebildeten Keimen sich allmälig entwickeln ließ, wie dieses heutzutagenoch geschieht, muß, da uns alle Mittel zu deren Beantwortung fehlen, aufsich beruhen bleiben.
So weit jedoch die Geschichte reicht, findet sich kein Beweis für irgendeine Veränderung weder im allgemeinen Charakter der Pflanzenwelt, noch auchin dem Typus irgend einer Gattung oder Art, so wenig als sich für die Ent-stehung neuer Pflanzengattungen oder Arten unzweifelhafte Thatsachen anführenlassen. Dagegen haben sich in der geschichtlichen Zeit zahlreiche Veränderungenergeben hinsichtlich der Verbreitungs- und Vertheilungsweise der Gewächse, theilsdurch veränderte Verhältnisse des Klima's und Bodens, oder durch Einwirkungsonstiger Naturkräfte hervorgerufen, theils durch die Thierwelt und das mäch-tige Eingreifen des Menschen veranlaßt.
Wo wir jetzt noch auf früher pflanzenleeren Stellen eine Vegetation ein-treten sehen, da besteht diese immer aus Pflanzen von bereits bekannten undanderwärts schon vorhandenen Arten, und ist aus der Verbreitung von derenSamen zu erklären, mit Ausnahme mancher einfachen Zellenpflanzen, die viel-leicht auch ohne Samen entstehen können, und bei welchen wenigstens die Mög-lichkeit einer ursprünglichen Erzeugung noch nicht unleugbar widerlegt ist. Wäh-rend sich aber viele, früher nackte, Strecken, wie geschichtlich erwiesen ist, allmäligmit einer Pflanzendecke überkleideten, gibt es auch nicht wenige Beispiele, wo