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Botanik.
-ie mannigfachen Veränderungen, welche die Pflanzenwelt in der geschichtlichenZeit erlitten, sowohl auf die klimatischen Verhältnisse der Erde als auch aufdie Lebensweise Sitten und Gebräuche, auf den Handel, die Gewerbe undüberhaupt auf den ganzen gesellschaftlichen Zustand der Menschen ausgeübt ha-ben, wodurch dieser Zweig der Botanik namentlich auch für den Geschichtsforschereine nicht geringe Bedeutung erlangt.
Von den Schriften, welche sich auf Pflanzengeschichte beziehen, sind, außer den am Schlüsseder Beschreibungslehre (S. 41.) genannten, mit den Pflanzen der urweltlichen Zeit sich be-fassenden, noch folgende besonders anzugeben: „7. 8olivnv, visssitstio äs ssckibns origi-naiiis MntLrum.« Naknias 1816 (8). „H. F. Link, hie Urwelt und das Alterthum, erläu-tert durch die Naturkunde." 2. Ausg. Berlin 1834 (8). „H. G. Bronn, Uetbaoa zsoAuosticaoder Abbild, u- Beschreib, der für die Gebirgsformationen bezeichnendsten Versteinerungen."Stuttg. 1834—1838. (8), mit 47 lith. Tafeln (4). Desselben „Handbuch einer Geschichte derNatur, zweiter Band." Stuttg. 1843. (8).
Seitdem Linus in die meisten Zweige der Phytognosie mehr Klarheit undOrdnung gebracht, wurde dieser Theil der Botanik mit besonderer Vorliebe ge-pflegt und außerdem, daß die Länder Europa's in botanischer Hinsicht emsigerals je zuvor durchforscht wurden, brachten auch zahlreiche Reisen in allen übri-den Welttheilen, deren selbst jetzt noch alljährlich viele unternommen werden,der Phytognosie, zumal aber der Systemkunde, Phytographie und Pflanzen-Geographie den größten Gewinn durch die kaum übersehbare Ausbeute an exo-tischen Pflanzen, welche die botanischen Sammlungen und Gärten bereichertenund denselben noch fortwährend zuströmen, wodurch sich natürlich die Mittel zueiner stets umfassendem Kenntniß der Pflanzenwelt und somit zur Förderungder gesammten Botanik von Tag zu Tag vermehren. Es würde uns jedochhier zu weit führen, wollten wir aus der großen Zahl Derjenigen, die sich seidder Hälfte des vorigen Jahrhunderts als Reisende in den verschiedensten Län-dern der Erde durch ihre Entdeckungen und Beobachtungen einen Ruf erwar-ben, auch nur die Verdientesten aufführen, und wir müssen dieserhalb auf diefrüher schon (S. 14.) genannten Werke über die Geschichte der Botanik undauf die botanischen Zeitschriften verweisen, in welchen die Namen dieser Männer,ihre wissenschaftlichen Reisen und die Resultate derselben mehr oder minder aus-führlich aufgezeichnet sind.
Mit dem zweiten Haupttheile der Botanik oder der Phytonomie beschäf-tigte sich Linns zwar weniger, als mit dem vorhergehenden, doch ließ erihn nicht ganz unbeachtet. Nur die Zergliederungslehre ward von ihm in seinenSchriften kaum berührt; dagegen versuchte er sich an der Bearbeitung mehrererAbschnitte der Morphologie und Biologie. Wir haben von den genannten Zwei-gen zuerst zu betrachten:
«. Die Gestaltlehre ober Morphologie.
Die ersten Grundzüge zu einer morphologischen Betrachtungsweise derPflemzenorgane finden wir in einer unter Linns's Vorsitze im Jahre 1749erschienenen Abhandlung über die Knospen der Bäume (Eemmue arboruw; inamoM. uduck. eä. IH. vvl. 2. p. 182.), worin nicht allein die Bedeutung unddie verschiedenen Verhältnisse und Abänderungen der Knospen und ihrer Theile