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Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
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Botanik.

zuletzt noch in einem Anhange „über die Spiraltendenz" der einer neuern Zeitangehörenden Untersuchungen gedenkt, durch welche die mathematisch berechen-baren Blattstellungsgesetze nachgewiesen sind.

Nach Goethe haben Viele noch mit der Gestaltlehre der Pflanzen sich be-schäftigt, zum Theil sie erweiternd, oft aber auch dieselbe durch ungeeignete Zu-thaten mehr oder weniger entstellend. Hier ist besonders noch ein Mann zunennen, den wir schon unter den Reformatoren der Systcmkunde kennen lerntenund der sich auch, wie es scheint, unbekannt mit Goethe's Leistungen, mit Bear-beitung der Morphologie eifrigst befaßte, nämlich A. P. De Candolle.Dieser suchte in seiner Lehre von den Organen, die er zuerst im Jahre 1813(IRooris Mmootniro clo In Lotaiiihus) und weiter ausgeführt im Jahre 1827(OrALnoZrnpbis väZstalo) bekannt machte, alle Pflanzenbildung auf eine voraus-gesetzte Symmetrie zurückzuführen und bemühte sich daher vorzugsweise, ausdieser die mannigfaltigen Verhältnisse und Formabänderungen der Organe zuerklären. Als Grund-Organe der ganzen Pflanze nahm er Wurzel, Sten-gel und Blätter an, aber nur so weit, als sie hauptsächlich zur Ernährung derPflanze und zur Erhaltung ihres Lebens dienen, und unterschied davon diejeni-gen Pflanzentheile, welche, obgleich bloße Abänderungen der ersteren, wenigerwesentlich für das Leben sind. Diese führte er danu wieder unter besonderenAbtheilungen auf: als Reproductions-Organe, die sich aus die Fortpflan-zung der Gewächse beziehen und zu welchen er, außer der Blüthe und Frucht,auch die Knospen mit ihren verschiedenen Modifikationen zählt, und als acces-sorische Organe, welche zu anderen Funktionen als zur Fortpflanzung be-stimmt sind, wie zur Stütze, zur Vertheidigung oder zum Schutze anderer Or-gane. — Durch diese so ziemlich unsichere, von einem allgemein physiologischenund zum Theil sogar theologischen Gesichtspunkte ausgehende Eintheilnng mußteschon die Darstellung seiner Lehre mehr in's Unbestimmte verfließen, währenddie morphologische Auffassung der Pflanze in ihrer höhern Einheit völlig in denHintergrund tritt. Dazu kommt noch, daß De Candolle, die Gesetze derSymmetrie, zumal in Bezug aus die Zahlenverhältnisse, häufig verkennend unddie Abweichungen vom Grundtypus als Folge von zum Theil eingebildeten Ver-wachsungen und Verkümmerungen oder von einem gänzlichen Fehlschlagen derOrgane herleitend, nicht selten zu sehr gezwungenen Erklärungen seine Zufluchtnehmen mußte. Daher fehlt auch seiner ganzen Lehre, trotz den zahlreichen, auseiner fleißigen Naturbeobachtung geschöpften Beispielen und Belegen, der wissen-schaftliche Zusammenhang und jene Klarheit, mit welcher Goethe seine Metamor-phosenlehre so meisterhaft darstellte.

Man hat zwar dem Letztem zum Vorwürfe gemacht, daß er bei seiner Theoriedie Entwickelungsgeschichte der Pflanzenorgane zu sehr vernachlässigt habe; manvergaß dabei aber, daß Goethe nicht Naturforscher von Fach war und daßihm, selbst als solchem, vor 50 Jahren nicht die Hilfsmittel und Erfahrungen vonheute zu Gebote standen. Es kann darum nur sein Verdienst erhöhen, daß erauch ohne diese Hilfsmittel die große, für alle Zeit sich als richtig bewährendeIdee des Gestaltenwechsels, wenn auch nur auf die höheren Bildungsstufen desPflanzenreiches bezogen, durch seine verschiedenen Phasen so treu verfolgte undden Nachkommen zur weitem Ausführung überlieferte. ES ist gewiß, daß die Er-forschung des Entwickelungsganges der Pflanzenorgane der beste Führer für dieErklärung ihrer wahren Natur sei. Doch hat die Verfolgung dieses Gangesauch ihre großen Schwierigkeiten und kann leicht aus Abwege und zu unrichtigenErklärungen verleiten, weil in der ersten Entwickelungsperiode die Bildung derOrgane nicht immer schon klar genug ausgesprochen ist, um mit voller Gewißheit