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Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
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GestMehre oder Morphologie.

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ihre wahre Natur und morphologische Bedeutung errathen zu lassen. Deßhalbfehlt es auch nicht an Beispielen, wo sonst tüchtige Forscher durch eine zu einseitigeVerfolgung der Entwickelungsgeschichte, bei fast gänzlicher Vernachlässigung der soge-nannten rückschreitenden Metamorphose sich zu Schlüssen und Erklärungen ver-leiten ließen, welchen die Vergleichung der weiter ausgebildeten Pflanzentheile nichtselten widerspricht. Nur dadurch, daß die Entwickelung und spätere Ausbildung,nebst den Abweichungen von der normalen Bildung, gleichmäßig berücksichtigt undgegen einander abgewogen werden, wird mit der Zeit eine richtige morphologischeDeutung aller Organe zu erlangen sein.

, Die wichtigsten Modifikationen hat die Gestaltlehre in neuester Zeit durchM. I. Schleiden, Professor in Jena, erfahren. Derselbehat, als höchst um-sichtiger und klar denkender Forscher, hier, wie in den übrigen Zweigen der Phy-tonomie, manche irrige Ansichten berichtigt; er ließ sich aber dadurch, daß er dieVerfolgung der normalen Entwickelungsgeschichte der Organe allein als leitendesPrincip bei Erforschung ihrer morphologischen Bedeutung anerkennt und die wich-tigen Fingerzeige für letztere, welche so oft in der abnormen Entwickelung einesOrgans vor Augen gelegt sind, zu beachten verschmäht, auch wieder zur Auf-stellung mancher Lehrsätze verleiten, welchen eine unbefangene, alle vorhin genann-ten Verhältnisse gehörig würdigende Forschung nicht die volle Giltigkeit zuer-kennen kann, die ihr Urheber dafür in Anspruch nimmt. Dahin gehört unteranderen seine Lehre von dem Kelche und Pistill, in welcher den Stengel- undBlatt-Organen ihre Rollen mitunter so zugetheilt werden, daß sich manche Be-denken dagegen erheben lassen.

Nach dem jetzigen Stande der Morphologie begreifen wir unter dem Aus-drucke „Metamorphose" die Entwickelung der gleichen Grundformen aller successiventstehenden Pfilanzen-Organe zu verschiedenen, für jedes derselben bleibenden For-men, und nehmen als Ursache dieser Formabänderungen einen bei jedem Indivi-duum in der Zeitfolge mannigfach abgeänderten Bildungstrieb an. Der Anfangeines jeden Pflanzen-Individuums ist eine einzelne Zelle. Diese trennt sichentweder als solche von der Mutterpflanze und stellt dann, für sich, öfter nochmit einer äußern Haut überkleidet, den zur Aussaat bestimmten Körper, dieSpore, dar — bei Akotyledoneen (Kryptogamen), oder sie entwickelt in ihremInnern eine zur Knospe für eine neue Pflanze (d. h. zum Keime) sich gestal-tende Zellenmasse, welche mit mancherlei Umhüllungen versehen den Samenbildet — bei Kotylchoneen (Phanerogamen).

Aus der Sporenzelle entwickelt sich (mit wenigen Ausnahmen) bei der Kei-mung ein gleichförmig - zelliges Gebilde, ohne gesonderte Organe — ein Lager(Thallus), welches, wenn es der Mutterpflanze ähnlich ist, bei weiterer Aus-bildung nur seine ursprüngliche Form wiederholt, bis es selbst seine Fortpflan-zungszellen bringt. Diese entstehen im Innern seiner Substanz oder auf seinerOberfläche und sind häufig auch schon in besondere Behälter aufgenommen,welche aus der mehr oder minder veränderten, zeitigen Lagersubstanz gebildetwerden und meist für jetzt keine weitere morphologische Deutung zulassen —bei Pilzen, Flechten, Algen und manchen Lebermoosen. Wenn aber das Lagerunähnlich der Mutterpflanze ist, so entwickelt sich erst nach einiger Zeit ausihm eine dem Keime der Phanerogamen vergleichbare Knospe, die sich sofortohne längere Rast zu einer mit Stamm und Blättern versehenen Pflanze aus-bildet; das Lager erscheint hier nur als der Vorläufer des Keims und wirddarum auch Vorkeim, proöiubr^ou, genannt — bei der Mehrzahl der Leber-moose, bei den Moosen und den meisten, wo nicht allen kryptogamischen Gefäß-pflanzen. Bei diesen Familien läßt sich vom untern Theile der Pflanze bis zu