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Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
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Zergliederungslehre oder Phytotomie.

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in den dem Lichte zugänglichen Pflanzentheilen, zumal in den Blättern, aus-gebildet; doch findet es sich auch in Theilen, die nie dem Lichteinflusse ausgesetztwaren, z. B. in der innern Rinde und im Marke der Zweige vieler Holz-pflanzen, im Eiweißkörper des Samens beim Mistel, in den Zellen des Keimes,zumal vor der Reife bei vielen Cruciferen, bei Lvon^mus - Arten. DiePflanzensäuren find, wegen ihrer Farblosigkeit und Auflöslichkeit im Wasser,im freien Zustande nicht im Pflauzengewebe zu erkennen, und dasselbe gilt auchvon allen leicht löslichen pflanzensauren Salzen. Dagegen tritt der'in Wasserund Pflanzensäuren unlösliche kleesaure Kalk in octaedrischen oder in pris-matischen, an beiden Enden zugespitzten, oft feinen, nadelförmigen Krystallenauf, von denen die letzteren meist bündelweise in besondere Zellen eingeschlossen(in den Blättern sehr vieler Pflanzen, z. B. der Aloe-Arten), die übrigenmehr zerstreut im Zellensafte vorkommen (z. B. in den Oberhautzellen vonIkrLäesoaiitiÄ, in den Blattstielen von LsAonin - Arten), häufig aber auch, umeinen andern Krystall oder um einen Kern organischen Ursprunges angelagert,wirkliche Drusen bilden, wie namentlich bei vielen Cacteen, wo das Parenchymin den älteren Stengeln damit manchmal, wie mit Sandkörnern, erfüllt ist. Außerden sehr weit verbreiteten kleesauren Kalkkrystallen kommen aber auch unorganischeKalksalze in Krystallform vor, und zwar am Häufigsten kohlensaurer Kalk,der sich zwar in verschiedenen Gestalten, gewöhnlich aber in Rhomboedern undebenfalls in einzelnen oder zu Drusen vereinigten Krystallen vorfindet (in denStengeln vieler Cacteen, bei Cykadeen, bei Ü^llrurus, besonders schön unddeutlich bei 8. orMalloxborus) , seltener der schwefelsaure Kalk, in ver-schiedenen, von der schiefen rectangulären Säule abzuleitenden, tafelförmigenKrystallen, die öfters in Zwillingssorm auftreten (in den Parenchym-Zellen derMusaceen und vieler Scitamineen). Auch mehr formlose Massen von Erdsalzen,zumal von kohlensaurem Kalk, finden sich in Interzellular-Räumen (z. B. beiden berindeten Okara- Arten und bei UatbiLoa) oder auf der Oberfläche derPflanzentheile als Jncrustirungen, wie ebenfalls bei (Lara-Arten und auf denBlättern von l-utkruea und vielen KaxiliuZn - Arten. Während diese Kalksalzein der Höhlung der Zellen oder auf ihrer Außenwand abgelagert sind, kommtdie Kieselerde in sehr vielen Pflanzen in die Zellen - Membran selbst aufge-nommen vor, wodurch diese oft eine bedeutende Härte erhält, wie in der Rindeund mehr noch in der Oberhaut der Gräser, der Rotang-Palmen und Schaft-halme. Hier ist die Kieselerde bei der Zergliederung nicht in der Membran zuunterscheiden, aber nach Zerstörung der organischen Substanz durch concentrirteSchwefelsäure bleibt dieselbe, wie oben bemerkt, in Form von Körnchen, Nadelnoder Plättchen zurück. Nicht unter dem Mikroskop erkennbar sind die zumTheil schon zu den quaternären Verbindungen gehörenden Alkaloide undsogenannten indifferenten Pflanzenftoffe. Bonden quaternären (ausStickstoff, Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff bestehenden) Verbindungen istdagegen das Protein mit seinen (zum Theil noch Schwefel und Phosphor inverschiedenen Mengen enthaltenden) isomerischen Modificationen dem Kleber,Pflanzeneiweiß (Albumin) und Pflanzenkäsestoffe (Pflanzen-Casem oderLegumin) durch das Auge zu unterscheiden. Diese für das Pflanzenlebenhöchst bedeutsamen, besonders bei jeder neuen Zellenbildung eine wichtige Rollespielenden Stoffe, welche darum auch in keiner noch lebenskräftigen Zelle zufehlen scheinen, finden sich bald in ganz flüssigem, bald in halbflüssigemund undeutlich körnigem Zustande, oft in netzförmigen Strömchen über dieinnere Zellenwand oder auch durch die Zellenhöhle selbst vertheilt (im Parenchym,so wie in den jungen Gefäßzellen und im oberflächlichen Gewebe der meisten